Das »mehrphasen« Spiel

Eines meiner absoluten Lieblingsspiele in der Fußball-Bundesliga stand gestern auf dem Programm. Mein FC Bayern empfing Werder Bremen in der heimischen Allianz Arena.

Vor Jahren begann die 1. Halbzeit eigentlich schon mindestens eine Woche zuvor. Mit einem medialen Duell der beiden Mannschaften. Die Hauptpersonen waren oft Uli Hoeneß und Klaus Allofs. Immer mal auch Willi Lemke. Aber seit nun fast 2 Jahren gibt es von keinem einen Rundumschlag. Eine idyllische Ruhe scheint eingekehrt zu sein.

Die interessanteste Umstellung gestern war vermutlich, dass es nach dem Tohuwabohu um die Personalie Philipp Lahm gar keine Umstellung gab. In der selben Besetzung wie gegen Mainz ging es in das Spiel und somit David Alaba neben Luiz Gustavo und kein zentrales Mittelfeld mit Philipp Lahm.

Das eigentliche Spiel kann man in mehrere Abschnitte einteilen. Die erste Phase war ein recht offener Schlagabtausch. Mögen einige anders sehen, aber Bremen hat aus seiner Taktik das immer richtige gemacht. In den ersten 20 Minuten zumindest. Man versuchte uns zwar nicht in der eigenen Hälfte entgegen zustehen, aber sobald der Ball durch einen Münchner in die Bremer-Hälfte gebracht wurde, ging das Pressing los. Ribéry und Müller konnte Bremen dadurch anfänglich gut rausnehmen.

Die Veränderung kam dann kurz nach der 20. Minute, als der FC Bayern nach einem Freistoß von Bremen einen blitzsauberen Konter vortrug und Ribéry das 1:0 erzielte. Den entscheidenden Zweikampf gewann dabei Alaba, der im Vergleich zu Mainz zusammen mit Gustavo deutlich sicherer wirkte. Den wunderschönen Ball vom Österreicher auf Ribéry kann sich noch einige male angucken. Die entscheidenden Momente dann vor dem Abschluss machten aber Thomas Müller und Mario Gomez klar. Beide gingen mit Ribéry und kreuzten. Dadurch hat sich Bremens Fritz von Ribéry abgewendet und den Schussweg freigemacht.

Aus dieser Führung entwickelte sich dann auch die 2. Phase des Spieles. Ein dominantes München ohne wirkliche Gefahr nach vorne. Während sich der SV Werder eher wie ein Absteiger präsentierte. Bremen versuchte eigentlich nur, nicht wie eine Fleischwunde aufzugehen. Bedingt durch das Spiel der Nordlichter haben wir uns selbst eingelullt. Bis zur Pause blieb es dann auch dabei.

Thomas Schaaf reagierte zur Pause und nahm Marko Arnautovic runter und brachte dafür Markus Rosenberg. Und ich muss eingestehen, ich habe darüber geschmunzelt. Rosenberg der zuvor eigentlich nicht mal Scheunentore aus einem Meter getroffen hätte, erzielte dann in der 51. Minute den Ausgleich. Man muss den Bremern eingestehen, dass sie das clever spielten. Lang auf Pizarro, der den Ball erst gut behauptete und dann gut zu Rosenberg brachte. Der Schwede dann ungewohnt »Eiskalt«.

Somit begann auch die 3. Phase des Spieles. Aus dem »Absteiger-Werder« wurde ein mutiges und willigeres Werder. Nun versuchte Bremen den Sprung in der Scheibe des FC Bayern ausnutzen zu wollen. Als in der 60. Minute dann Robben für Alaba kam, veränderte sich eigentlich erst mal nichts. Erst in der 68. Minute ging es wieder anständig nach vorne für den FCB und es wurde auch gleich gefährlich. Mario Gomez legte auf Thomas Müller ab der von Wolf zu Fall gebracht wurde. Elfmeterentscheidung ist völlig richtig und Robben schnappte sich den Ball und verwandelte souverän.

Willkommen in Phase 4, könnte man titeln. Plötzlich spielte der FCB wieder, so in etwa, wie man es von ihm sehen will als Fan. Bedingt auch, weil Bremen nun mehr machen wollte und es probierte. Das eröffnete uns Räume, die man einfach nicht öffnen darf. Das Zuckerpässchen von Robben auf Mario Gomez 8 Minuten später ebnete dann den Sieg. Ob Gomez oder Ribéry das Ding nun reingemacht hat, spielt dabei eigentlich keine Rolle. Entscheidend war der Pass durch die Naht von Robben.

Wenn wir es genau nehmen, brachte das auch gleich die letzte Phase ins Spiel. Bremen gab sich nun mehr und mehr auf und folgerichtig wurde Aaron Hunt in der 80. Minute vom nicht ganz glücklich agierenden Schiedsrichter Meyer vom Platz gestellt. Gestreckt mit beiden Beinen in den Gegner. Egal ob da noch ein Schnipsel Ball mit dran war oder nicht, dass ist ein Unding.

Zwei Minuten später entschied dann Arjen Robben übrigens das Spiel endgültig. Nach einem Schubser von Sokratis gegen Ribéry im eigenen 16er zeigte Meyer erneut auf den Punkt. Regelkonform. Sokratis hätte nichts machen müssen und Mielitz hätte den Ball von Ribérys Fuß gefischt. Robben klaute den Ball Gomez und schoss sein 2. Tor des Tages. Zum Zeitpunkt der Einwechslung versprach ich meiner Timeline übrigens 2 Tore von Robben.

Das Ergebnis ist zu hoch und übermalt mit Sicherheit einiges. Trotzdem ist es schön, ein wenig Ruhe nach den letzten Tagen wieder rein zubekommen. Ruhe in soweit, dass die angedeutete, mediale, Krise erst mal ad acta ist. Am Mittwoch dann das letzte Spiel in der Gruppenphase der Champions League. Putzen wir noch mal ManCity und alle freuen sich mit uns.

Dennis

Chefsesselakrobat und begeisteter Blogger wie auch Sport- und vor allem Serienfanatiker. Baujahr Mitte 1989.