Die Meisterschaft verschossen?

Gestern Abend kam es zum “Showdown”, “German Classico”, “deutscher Super-Bowl” oder einfach nur zu Dortmund gegen Bayern. Das vorentscheidende Duell der beiden momentan besten Teams in Deutschland. Spitzenreiter gegen Verfolger, amtierender Meister gegen Rekordmeister, Jäger gegen gejagten.

Das Kollektiv hat über die individuelle Einzelklasse gewonnen. So ist’s. Dortmund hat uns bezwungen. Nicht das erste mal in den letzten 2 Saisons. Wir haben aus den drei Duellen zuvor keine Schlüsse gezogen, wie man das “System Klopp” bezwingen kann.

Ich sag es nur ungerne, aber das “Kollektiv-Dortmund” ist uns weit voraus. Sehr weit, vielleicht sogar. Dortmund hat etwas geschaffen, was in München momentan weit entfernt ist. Ein Team aus vielen eigenen “jungen Wilden”. Angefangen bei Mario Götze, dem bei vielen nicht Dortmundern ungeliebten Kevin Großkreutz oder auch Spieler wie Moritz Leitner. Aktuell verstärkt man sich sogar punktuell hervorragend, nehmen wir einfach mal den Marco Reus Transfer als Beispiel. Dazu die “routinierten Hasen” um Roman Weidenfeller oder Sebastian Kehl.

Und bei uns? Schön und gut, dass dort ebenfalls mit Lahm, Schweinsteiger oder beispielsweise auch Müller aus der eigenen Nachwuchssichtung kommen. Aber sonst? Ist doch weiterhin vieles auf Arjen Robben und Franck Ribéry zu gepinselt. Zu viel, wenn ihr mich fragt. Sobald der Gegner es schafft, genügend Druck auf Ribéry und Robben aufzubauen, haben die beiden Herren selten das Momentum für gute (Einzel-)Aktionen.

Jupp Heynckes scheint für viele einer der Schuldigen zu sein. Er ist aber nur ein “Bauernopfern”. Alleine die damalige vorzeitige Entlassung Jürgen Klinsmann hat mir signalisiert, was man in München wirklich möchte. Ruhe auf der Trainerposition und niemanden, der mal seine eigenen Patronen ausprobieren möchte. Die Story ist bekannt. Mit Louis van Gaal hat man sich die Gladiolen-Patronen ins Gefilde geholt und hat ihn später öffentlich abgeschlachtet.

Anstatt zwei Schritte nach vorne, machen wir fünf Schritte in diesen Tagen und Wochen zurück. Jupp Heynckes macht die Arbeit, die man von ihm auf der Führungsetage erwartet und gewollt hat. Call it: “Ruhigere Fahrwässer”.

Was bringen uns diese Fahrwässer? Wenig. Vielleicht gar nichts. Wir vergondeln eine Kluft, die wir auf den Verfolger hatten. Dortmund, wenn man es dort schafft, die eingeschlagenen Bahnen bei zuhalten über Jahre, wird ein echter Konkurrent für uns. Es freut mich sogar, dass wir Konkurrenz bekommen. Zumal in dieser Konkurrenz auch eine Hoffnung für mich drin steckt. Vielleicht wird man irgendwann aufgerüttelt. Nicht heute, nicht gestern. Aber in naher Zukunft. Hoffentlich.

Aktuell möchte man in München wohl nicht soviel für den eigenen Nachwuchs tun. Die Transfers für die zweite Mannschaft sprechen nämlich eine Sprache, die mir nicht gefällt. Alte Hasen für die zwanghafte Haltung der Regionalliga? Wirkt so.

Der Verein sollte den Sommer nutzen und sich Gedanken machen, was er möchte und wohin er will. Ich sehe unsere “Alleinstellung” in Deutschland auf Dauer in Gefahr. Nicht heute, nicht morgen. Aber wenn man die aktuelle Linie weiterfährt gewiss. Wir werden sehen, was passiert.

PS: Diese Gedanken kamen nicht erst gestern nach der Niederlage, sondern schmollten schon längere Zeit in mir.

Dennis

Chefsesselakrobat und begeisteter Blogger wie auch Sport- und vor allem Serienfanatiker. Baujahr Mitte 1989.