Nichts dazu gelernt?

Gestern Abend war es soweit. Das, von vielen, sehnsüchtig erwartete Spiel gegen den amtierenden Meister Borussia Dortmund.

Zahn gezogen. Kurz gefasst. Uns wurde der Zahn gezogen, von Dortmund. Weil wir immer noch nicht dazu gelernt haben. Auch wenn die Ära Louis van Gaal zu Ende ist, haben wir immer noch ähnliche Probleme wie in der von van Gaal. Doch dabei sollte sich doch eigentlich einiges ändern, unter Jupp Heynckes. Es sind mit Sicherheit keine Nachwehen einer van Gaal-Ära die uns haben gestern eher Alt aussehen lassen. Viel mehr ist es die aufkommende Selbstverständnis, jeden Gegner mit “Mund abputzen” schlagen zu können.

Viele nicht Bayern-Liebhaber möchten dem BVB und Jürgen Klopp vermutlich eine taktische Meisterleistung unterstellen. Mit Meisterleistung würde ich mir schwer tun. Aus einfachen Gründen. Klopp hat es eigentlich nur geschafft, sein Team richtig einzustellen – über 90 Minuten. Das klappte u.a. beim Manchester City nicht ganz. Und auch der FC Augsburg, würde mir spontan einfallen, der uns durch eine gewisse Kompaktheit vor Problemen stellte.

Die Dortmunder schafften es gestern, uns so über 90 Minuten zu beschäftigen. Vor allem noch mit dem Mittel frühes Pressing. Nur wenige Phasen gab es, in dem die Dortmunder uns nicht schon in unserer eigenen Hälfte haben angegriffen. Gepaart mit unserer unkreativen Spielgestaltung ein Zuckerschmaus für jeden, der den FC Bayern gerne straucheln sieht.

Wenn uns der Gegner keine Räume überlässt oder sich nicht vor Angst in die Hose macht, dann sieht das bei uns alles andere als Topmannschafts-look-a-like aus.

In den ersten 45 Minuten gab es die wenig guten Offensivaktionen meist auch nur, wenn Rafinha mit einem Diagonalpass auf Ribéry das Spiel schnell verlagern konnte. Das waren aber nicht mal eine Handvoll Szenen, in denen das gemacht wurde.

Als in der 64. Minute dann die Dortmunder durch einen, sicherlich glücklichen, Treffer in Führung gingen, wirkte es, als ob die Dortmunder uns nicht nur einen Zahn gezogen hätten, sondern ein ganzes Gebiss. Verunsicherung machte sich breit, deutlich. Und das bei einem Team, dass eigentlich vor Selbstbewusstsein strotzen müsste.

Es gelang aber auch nicht, nur einen Hauch von einer erkennbaren Linie reinzubringen. Das Mittelfeld wurde von Dortmund gewonnen. Und als man dann nach und nach auf ein fluides 4-2-4 umstellte, klappte auch nicht viel mehr als vorher. Weil eben die Lücke zwischen Mittelfeld und Angriff für mich von Minute zu Minuten ein Stück größer wurde.

Uns fehlte aber auch eine gewisse Lockerheit im Mittelfeld. Ich möchte Arjen Robben nicht als schuldigen für irgendetwas hinstellen. Und das er von Beginn an spielen durfte, stellte sich für mich eigentlich auch nicht wirklich in Frage. Nach dem Ausfall von Schweinsteiger und der Sperre von Anatoliy Tymoshchuk bot sich halt eigentlich auch nur an, so aufzustellen. Aber damit nahmen wir uns vermutlich auch ein eingespieltes offensives Mittelfeld. Robben nahm den Aktionismus aus dem Mittelfeld. Ribéry und Müller rochierten weniger als zu vor. Toni Kroos im defensiven Mittelfeld hatte das Spiel zwar “vor sich”, was ihn aber durch die Kompaktheit der Dortmunder eher aus den Offensivbemühungen raushielt.

Das war gestern Lehrmaterial, für uns selbst. Lehrmaterial, wie man uns blendend und recht simpel aus dem Spiel nehmen kann. Wobei das Dortmund natürlich exzellent machte. Mit einer sehr laufstarken Mannschaft. 121,4km zu 110,8km. Gute 10,5 Kilometer mehr liefen die Dortmunder, vor allem in Person Lars Sven Bender. Der überall da zu finden war, wo er unterstützen musste. Wie es sich für einen defensiven Mittelfeldstrategen letztlich gehört. Da tröstet auch niemanden die Passstatistik. Die wir zwar deutlich mit 568 zu 278 Pässen mehr gewannen, aber das wir die doppelte Anzahl an Pässe schlugen zeigt auch eine gewisse Ideenlosigkeit. Viel Ball halten und hinten entlang.

Immerhin können wir das ganze am Dienstag schon wieder, mehr oder weniger, vergessen machen. Wenn wir uns den Einzug ins Achtelfinale sichern gegen Villareal.

Dennis

Chefsesselakrobat und begeisteter Blogger wie auch Sport- und vor allem Serienfanatiker. Baujahr Mitte 1989.

Kommentare (2)

  1. Wie konnte ich nur Lars und Sven verwechseln. Sind nicht zufällig Zwillinge oder?

    Danke für den Hinweis, Folchart!

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