Wenn die Liebe gegen die Affäre spielt

Die Aufeinandertreffen zwischen dem FC Bayern München und Hannover 96 sind für mich persönlich immer sehr unterschiedliche Begegnungen. Da spielt dann die große Liebe, der FC Bayern, gegen die Affäre von der Leine.

Vor einigen Jahren hätte ich ein gespaltenes Herz für unmöglich gehalten. Seit einigen Jahren wohne ich jetzt in der Region Hannover und dadurch hat sich eine gewisse Sympathie für 96 entwickelt. Dennoch ist diese Sympathie nicht groß genug, um an diesen 90 Minuten, an diesen Spieltagen sich gegen meine große Liebe zu wehren.

Auch an diesem Spieltag war das nicht anders. Da ist dann das Herz wieder zu 100% bajuwarisch aufgestellt. Nicht mal mehr ein Resttropfen ist im Herz der für Hannover Sympathie empfinden. Dieses Gefühl wird vermutlich auch erst am Dienstagabend wieder schwinden, wenn Hannover gegen Fürth spielt und wir tags darauf beim SC Freiburg.

Was für ein Spiel war das am Sonnabend eigentlich? Herbstdepression? November Blackout? Ich habe davon nichts wahrnehmen können. Und überhaupt. Ein Tor nach einem Eckball. Tore von Javi Martinez und Dante. Comeback-Tor von Mario Gomez.

Das war ganz schön flauschig gegen Hannover.

Bereits nach 3 Minuten stand ich mit vollverblüffter Miene da. Der FC Bayern erhielt einen Eckball und ich sagte schon ganz lässig aus der Hüfte geschossen: „Eckball? Lass uns lieber gleich Abstoß Hannover machen.“ Neben mir auf dem Sofa erschallte es ganz fröhlich: „Pass auf. Der geht jetzt rein.“ Wenige Sekundenbruchteile später vollstrecke Javi Martinez zur 1:0 Führung. Ich konnte meine Kauleiste nicht mehr schließen vor Verwunderung. Das vielleicht noch unfassbarere an dieser Ecke, sie sah ziemlich einstudiert aus. Eckball von Kroos auf Schweinsteiger, der mit dem Kopf den Ball in Richtung Dante und Martinez passt. Aber holla die Waldfee, wie frei Martinez am Fünfmeterraum der Hannoveraner einen Fallrückzieher ansetzen durfte.

Danach kamen die Hannoveraner zwar etwas ins Spiel, aber irgendwie hatte nicht wirklich Angst, vor einem Rückfall in das Nürnberg-Spiel. Spätestens in der 24. Minute war dann auch alles in Ordnung, als Toni Kroos mit einem Seitfallzieher/im fallen Rechtsschuss zum 2:0 traf.

Das man vor der Pause noch das 3:0 drauflegte, Formsache. Besonders gefreut haben mich aber das 4:0 und 5:0. Nicht, wegen der Höhe. Sondern einfach nur wegen der Torschützen. Dante traf nach einer Freistoßflanke per Kopfball und tanzte anschließend mit voller Freude und Begeisterung den „Dante Style“. Wer braucht da schon Gangnam Style, wenn er Dante Style hat?

Wenig später nach dem 4. Treffer von uns wechselte Jupp Heynckes Mario Gomez ein. Der defensivstarke, aber offensiv wenig glückliche Mandzukic machte für Gomez platzt und der deutsche Nationalspieler brauchte keine 27 Sekunden bis zu seinem Tor. Technisch wie auch körperlich hervorragend gemacht.

Das weckte dann förmlich wieder so ein ungemein ungewohntes Gefühl in mir. Auswechselbare Stürmer? Wann hatten wir das zuletzt? War das noch in einer Zeit in der Roy Makaay und Claudio Pizarro bei uns spielten? Oder war es doch noch etwas länger her? So mit Jancker, Zickler und Elber? Ist mir dann irgendwie auch egal. Dieses Gefühl ist toll und darf langfristig in München verweilen!

Eine grandiose Antwort auf die Leute, die eine Krise herbei reden wollten.

Einzelkritik? Eigentlich nicht notwendig. Aber was ein David Alaba defensiv mittlerweile anbietet, das ist ganz große Fußballkunst. Diese Entwicklung kann man nicht in Worte fassen.

Doch nicht nur der kleine Österreicher wusste zu überzeugen. Auch Javi Martinez ist endlich mal so richtig eingeschlagen. Und das nicht nur wegen seines Tores in der Anfangsphase des Spieles. Viel mehr durch seine gesamte Leistung. Etwas geschmälert hat die Leistung das eine oder andere taktische Foul wo er sich noch nicht clever genug anstellte. Aber nun gut. Der Rest stimmte darüber hinaus aber beim Spanier.

Ansonsten braucht man auch nicht viel mehr Einzelkritiken zu vertippen. Waren alle gut. Auch der vorne eher glücklose Mandzukic. Dieser überzeugte vor allem durch seine Defensivarbeit. Weiter so!

Ach glänzend. Alles an diesem wunderschönen Spieltag.

Am Mittwoch geht es bereits weiter. Dieses Mal müssen wir beim SC Freiburg ran. Das Team konzentriert sich hoffentlich vollkommen auf den Sportclub. Wenn die Gedanken und die Konzentration bereits auf Samstag beim Topspiel gegen Dortmund ist, dann ist das reichlich schlecht und halbgar wird es gegen Freiburg schwer.

Dennis

Chefsesselakrobat und begeisteter Blogger wie auch Sport- und vor allem Serienfanatiker. Baujahr Mitte 1989.