Wettbewerbsverzerrung? Genau.

Jupp Heynckes hat im Spiel bei Werder Bremen eine “bunte” Elf gebracht. Bis auf Manuel Neuer, Luiz Gustavo, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller waren die Feldspieler allesamt “Edelreservisten” und dürften sich wenig Chancen für Mittwoch gegen Real Madrid machen.

Vor dem Spiel machte ein kleiner Aufschrei von Wettbewerbsverzerrung die Runde. Etwas, naja, unverständlich für mich. Da traten von Münchner-Seite immer noch 11 Profis auf, die ihr täglich Brot mit Fußball verdienen.

Gab es diesen Aufschrei früher eigentlich auch? Wo es fast alltäglich war, dass man die Spiele mit den Reservisten abspulte, wo es um nichts mehr für einen selber ging? Kann ich mir kaum vorstellen. Wenigstens hat man gestern allen bewiesen, dass wir auch mit einer “B-Elf” gewinnen können.

Jetzt heißt es aber, volle Konzentration auf Mittwoch und dem Ziel “Auf nach Dahoam!”. Real hatte gestern ein richtig schweres Spiel im El Clasico. Packen ma’s!

Die Meisterschaft verschossen?

Gestern Abend kam es zum “Showdown”, “German Classico”, “deutscher Super-Bowl” oder einfach nur zu Dortmund gegen Bayern. Das vorentscheidende Duell der beiden momentan besten Teams in Deutschland. Spitzenreiter gegen Verfolger, amtierender Meister gegen Rekordmeister, Jäger gegen gejagten.

Das Kollektiv hat über die individuelle Einzelklasse gewonnen. So ist’s. Dortmund hat uns bezwungen. Nicht das erste mal in den letzten 2 Saisons. Wir haben aus den drei Duellen zuvor keine Schlüsse gezogen, wie man das “System Klopp” bezwingen kann.

Ich sag es nur ungerne, aber das “Kollektiv-Dortmund” ist uns weit voraus. Sehr weit, vielleicht sogar. Dortmund hat etwas geschaffen, was in München momentan weit entfernt ist. Ein Team aus vielen eigenen “jungen Wilden”. Angefangen bei Mario Götze, dem bei vielen nicht Dortmundern ungeliebten Kevin Großkreutz oder auch Spieler wie Moritz Leitner. Aktuell verstärkt man sich sogar punktuell hervorragend, nehmen wir einfach mal den Marco Reus Transfer als Beispiel. Dazu die “routinierten Hasen” um Roman Weidenfeller oder Sebastian Kehl.

Und bei uns? Schön und gut, dass dort ebenfalls mit Lahm, Schweinsteiger oder beispielsweise auch Müller aus der eigenen Nachwuchssichtung kommen. Aber sonst? Ist doch weiterhin vieles auf Arjen Robben und Franck Ribéry zu gepinselt. Zu viel, wenn ihr mich fragt. Sobald der Gegner es schafft, genügend Druck auf Ribéry und Robben aufzubauen, haben die beiden Herren selten das Momentum für gute (Einzel-)Aktionen.

Jupp Heynckes scheint für viele einer der Schuldigen zu sein. Er ist aber nur ein “Bauernopfern”. Alleine die damalige vorzeitige Entlassung Jürgen Klinsmann hat mir signalisiert, was man in München wirklich möchte. Ruhe auf der Trainerposition und niemanden, der mal seine eigenen Patronen ausprobieren möchte. Die Story ist bekannt. Mit Louis van Gaal hat man sich die Gladiolen-Patronen ins Gefilde geholt und hat ihn später öffentlich abgeschlachtet.

Anstatt zwei Schritte nach vorne, machen wir fünf Schritte in diesen Tagen und Wochen zurück. Jupp Heynckes macht die Arbeit, die man von ihm auf der Führungsetage erwartet und gewollt hat. Call it: “Ruhigere Fahrwässer”.

Was bringen uns diese Fahrwässer? Wenig. Vielleicht gar nichts. Wir vergondeln eine Kluft, die wir auf den Verfolger hatten. Dortmund, wenn man es dort schafft, die eingeschlagenen Bahnen bei zuhalten über Jahre, wird ein echter Konkurrent für uns. Es freut mich sogar, dass wir Konkurrenz bekommen. Zumal in dieser Konkurrenz auch eine Hoffnung für mich drin steckt. Vielleicht wird man irgendwann aufgerüttelt. Nicht heute, nicht gestern. Aber in naher Zukunft. Hoffentlich.

Aktuell möchte man in München wohl nicht soviel für den eigenen Nachwuchs tun. Die Transfers für die zweite Mannschaft sprechen nämlich eine Sprache, die mir nicht gefällt. Alte Hasen für die zwanghafte Haltung der Regionalliga? Wirkt so.

Der Verein sollte den Sommer nutzen und sich Gedanken machen, was er möchte und wohin er will. Ich sehe unsere “Alleinstellung” in Deutschland auf Dauer in Gefahr. Nicht heute, nicht morgen. Aber wenn man die aktuelle Linie weiterfährt gewiss. Wir werden sehen, was passiert.

PS: Diese Gedanken kamen nicht erst gestern nach der Niederlage, sondern schmollten schon längere Zeit in mir.

Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss

Es dauerte keine 25 Spielsekunden im weiten Rund der Allianz Arena, da netze Mario Gomez bereits zum 1:0 ein. Aus dem “erwartet schweren Spiel” wurde plötzlich von allen ein Spiel wie gegen Hoffenheim, Basel oder Berlin erwartet.

Pustekuchen. Bereits nach wenigen Minuten war eine Abwehrleistung zu sehen, die kein Osterfeuer entzündete. Schrecklich wie einfach es ging, für den FC Augsburg dort für Gefahr zu sorgen. Das dann irgendwann der Ausglich fiel, war folgerichtig. Auch wenn er durch mehrere Fehlern begünstigt wurde.

Das Boateng in der Szene den Ball nicht erwischt und dieser zu Bellinghausen durch geht, ist eines. Wenn Koo dann beim 16 Meterraum so frei steht, das andere Ding. Und das Manuel Neuer nicht “gut” aussieht bei dem Schuss, das dritte Ding. Gegentore fallen in der Regel durch Fehlerketten. In diesem Fall eben auch. Letztlich war es aber auch nur eine Frage der Zeit, bis Augsburg das Tor erzielte. Es hätte schon davor passieren können, aber dort rettete Boateng glänzend vor der Linie.

Nach vorne ging bei uns relativ wenig, weil wir uns mal wieder nicht genügend bewegten im 1. Durchgang. Wir können das auch mal wieder ganz simpel unter Müdigkeit abstempeln. Aber da muss das Team durch. Natürlich fehlt es an einer “sehr guten” zweiten Reihe, das können wir heute für die restliche Saison nicht mehr ändern. Dann muss man halt auch Spiele gewinnen, wie das am Samstag gegen Augsburg, in dem man nur soviel macht, wie nötig.

Wichtig ist, dass wir am Mittwoch mit dem anderen Gesicht, dem guten Gesicht, auftreten. Gegen Dortmund werden wir vermutlich mit einem Motto wie im Artikeltitel nicht sehr weit kommen, außer Dortmund lässt uns gewähren.

Ist euch mal was aufgefallen? Die Stimmen nach dem Spiel waren relativ verhalten im Blick auf das Big-Game am Mittwoch. Bisher ist keine Schlachtungsanzeige aufgegeben. Keine einzige. Außer das man Dortmund ernst nehmen wird, man nach 9 Siegen am Stück selbstverständlich eine breite Brust hat, ist da gar nichts geflossen. Noch nicht. Wobei ich auch nicht glaube, dass da noch viel kommt.

Ergo bleibt zu sagen: Wir sind nicht höher gesprungen als wir mussten und werden am Mittwoch das Big-Game hoffentlich annehmen und für uns entscheiden.