Hossa, wir sind raus!

Eines ist klar, Fußball ist Fußball und bleibt Fußball. Viele meinen derzeit auch, Fußball wäre ein Arschloch. Das sieht man bei einigen HSVlern und einigen FCBlern. Nicht ganz zu Unrecht, wie ich finde.

Ich will mich gar nicht beschweren, dass wir ausgeschieden sind. Daran haben wir doch selbst Schuld. Wer zu blöd ist, die Augen nach einem Champions League Finale aufzuhalten, der bekommt halt dieselben Probleme, wie im Jahr zu vor. Genau, Internazionale nimmt unsere Abwehr auseinander.

Gestern sagte ich schon via Twitter ganz trocken, wir hätten die Kosten für eine funktionierende Abwehrkette bereits wieder eingespielt haben können. Wir könnten im Viertelfinale stehen, wir könnten sicherlich in der Bundesliga-Tabelle besser stehen, aber niemand sah es für notwendig, eine Defensive bei uns zu organisieren. Weder Vorstand noch Trainer. Man vertraute auf das Personal, das vorhanden ist. Mutig und zu gleich selten dämlich.

Es ist eigentlich unbeschreiblich, warum man sich nicht verstärken wollte, vor allem nicht in der Abwehr. Die Probleme in der Defensive gibt es seit langem. Dieses Konzept des SV Werder Bremens ist mir auch irgendwie zu blöd. Wir machen’s genau gleich. Vorne hui und hinten ganz viel pfui. Oder: Alarm, überall Alarm.

Das blöde ist, wenn’s vorne nicht klappt, dann hat der Gegner halt noch einfacheres Spiel gegen uns. Das haben die Spiele gegen Dortmund, Schalke und Hannover doch eindrucksvoll bewiesen. Man hat einfach unsere Flügelzange deaktiviert und zack, war nichts los bei uns. Das haben wir dann gegen Hamburg und auch gestern gegen Inter wieder besser gemacht. Arjen Robben verweigerte das 0815-Prinzip erneut und zack, entwickelte sich vorne wieder Gefahr. Es entwickelten sich gute Chancen in den ersten 45 Minuten. Eigentlich hätte man zur Pause 3, 4:1 führen müssen. In der letzten Saison hätte man das Glück vielleicht gehabt, dass es mit der Pausenführung in der Höhe geklappt hätte. In dieser Saison, weil sie ein „Arsch“ ist, halt nicht.

Man kann natürlich auch argumentieren, dass das Spiel vorne verloren wurde. Das mag sicherlich auch ein Teil stimmen, aber mit einer im Sattel festsitzenden Abwehr, kann man die nicht gemachten Chancen halt wettmachen. Na gut. Macht die Offensivabteilung die ganzen Chancen rein, kümmern wir uns auch nicht um die Abwehr. Eigentlich war das Spiel ein grandioser Mikrokosmos unserer Saison. Pfui, Hui, Pfui und am Ende dann ein eigentlich sicher geglaubtes Spiel doch noch zu vergondeln. Langsam müssten wir dafür einen eigenen Pokal bekommen, so konstant wie wir das in dieser Saison schaffen.

Am Samstag geht es gegen den SC Freiburg. Vermutlich noch mit Louis van Gaal. Mal schauen, ob das wirklich so sein wird. Das Ausscheiden könnte auch ein schnelleres Handeln bewirken. Man munkelt, Felix Magath wäre wieder zu haben. Das mit Ottmar Hitzfeld wird ja vermutlich nichts, so als Interimslösung.

Parameter Offensive gegen Inter

Ein wahnsinnig attraktives Spiel, sahen die Zuschauer im San Siro und an den Fernsehbildschirmen am gestrigen Abend zwischen Internazionale und dem FC Bayern München.

Das Spiel wurde attraktiv durch – positiv formuliert – schwächelnde Abwehrreihen auf beider Seiten. Beim FCB und auch bei Inter sind die Probleme in der Abwehr in dieser Saison nichts Neues.

Louis van Gaal schien eine Aufstellung mit Danijel Pranjic als 6er und Luiz Gustavo als Linksverteidiger raus. Pustekuchen! Schon zu Spielbeginn spielte Gustavo auf der #6 direkt gegen Wesley Sneijder. Unser neuer Brasilianer machte seine Sache gegen Sneijder sehr gut, so das Sneijder schon die #10 früh hat fallen lassen und versuchte über die Außen mehr und mehr zu kommen.

Unsicherheitsfaktor in der Abwehr war mal wieder Holger Badstuber, oder wie er bei Twitter schon heißt „Holger Badstümper“. Das verflixte zweite Jahr bei Badstuber? Eigentlich bin ich kein großer Fan von Badstuber, aber er möge sich doch bitte am Riemen reißen. Wir brauchen eine Abwehr, die uns Punke sichert und nicht diese dem Gegner schenkt. Als Pranjic noch in der 1. Halbzeit wegen einer Verletzung raus genommen wurde, rückte Badstuber auf die LV-Position und Breno ging in die Abwehrzentrale. Dadurch wurde die Abwehr etwas stabiler, auch wenn sich Breno und Anatoliy Tymoshchuk auch noch die eine oder andere Nachlässigkeit erlaubten. Pranjic spielte bis zu seiner Auswechslung übrigens sehr gut. Möchte man vom Kroaten doch tatsächlich öfter sehen.

Kraft und die „kahnesken“ Momente

Torhüter sein ist nicht leicht und schon gar nicht, beim FC Bayern. In der Rolle von Thomas Kraft möchte ich nicht stecken. Das Gefühl, eigentlich nur vom Trainer und 50 % der Fans „unterstütz“ zu werden, muss unangenehm sein. Letztendlich stellt der Trainer auf, aber der Vorstand definiert den Trainer. Sollte van Gaal also gehen oder gegangen werden, irgendwann, kann es für Kraft schneller vorbei sein als gewünscht.

Was unsere aktuelle #1 da gestern im San Siro ablieferte, war aber auch aus den Augen eines „Manuel Neuer-Supporters“ erstklassig. Zu Beginn hatte ich etwas schlottrige Knie, weil mir Kraft ziemlich unsicher wirkte. Im Verlauf des Spieles holte er aber alles(!) raus.

Sollte Kraft diese Leistungen bestätigen können, über einen langen Zeitraum, muss man über eine Investition im Tor noch einmal neu nachdenken.

Flügelzange

Ich werde nichts Neues erwähnen, aber es ist mir erneut aufgefallen. Franck Ribéry und Arjen Robben halten ihre Seite. Die beiden haben sich auch schon mal abgewechselt und gerade gestern wäre das vielleicht sogar mal richtig gut gewesen.

Ribéry hatte ziemlich viel Platz im Vergleich Robben, der immer Minimum 2 Gegenspieler hatte. Dieses strickte Seite halten passt einfach nicht zu den beiden.

Vermutlich hat dieses „an der Leine“ sein etwas mit der Defensivarbeit zu tun. Lässt man beide frei laufen, machen beide konsequent weniger fürs Spiel nach hinten. Es ist im groben schon verständlich, beide erstmal anzuleinen, aber richtig gefallen tut es mir nicht.

Work-a-holic

Mario Gomez ist schon ein sensationell genialer Stürmer. Ich freu mich, dass van Gaal ihm endlich vertraut, ihm die Chance gibt.

Der Nationalstürmer ist bei mir nicht nur wegen seiner Tore beliebt, sondern weil er arbeitet und das sehr viel! Verlorene Bälle versucht er sich selbst zurück zuholen und auch sonst, arbeitet er verdammt viel nach hinten mit.

Als er nach 28 Minuten aus kurzer Entfernung einen Ball übers Tribünendach raushaute, war er für viele wieder eine Null. Etwas unverständlich, selbst dieser Lionel Messi – von dem alle glauben, er wäre Übermenschlich – vergeigt hin und wieder mal machbare Bälle. Auch Gomez macht das und jeder andere Stürmer ebenso. Mund abputzen, weiter spielen.

In der 90. Minute spielte Mario Gomez dann den Stürmer, wie er im Buche steht. Lauerte auf den Abpraller, den Robben mit seinem Schuss forcierte. Am Ende muss man sich bei Julio Cesar bedanken, der eindeutig ganz viel Schuld an diesem Tor trägt.

Und sonst noch?

Als neutraler Zuseher war das Spiel schon ein Zuckerschmaus. Wer jedoch für eine der beiden Mannschaften war, der ist gealtert – massig! Am Wochenende geht’s gegen den BVB. Ansonsten war’s das für den Moment.

Intermezzo

Schlagen wir mal das Glöckchen für die 2. Runde in den “Wochen der Wahrheit”. Am Mittwoch spielen wir gegen den amtierenden UEFA Champions League-Sieger Internazionale Milano.

Gespielt wird im wunderschönen San Siro oder auch Guiseppe Meazza genannt. Schon lang ist das San Siro für mich eines der schönsten Stadien weltweit. Als dann am 23. Mai 2001 wir in diesem Stadion auch noch die Champions League gewonnen haben, katapultierte sich das San Siro natürlich noch weiter nach oben.

Revanchefeeling?

Es ist am Mittwoch für viele nicht nur ein Achtelfinal-Hinspiel. Viele sehen in dieser Neuauflage des Finales von letztem Jahr auch eine Chance auf Revanche. Das mag durch aus sein, für mich sind die Spiele gegen Inter aber keine Revanche. Mir persönlich fehlt dafür die wichtigste Person bei Inter aus der vergangenen Saison, nämlich Jose Mourinho. Der Portugiese war die Seele des Teams.

Wir brauchen auch gar nicht über eine Revanche reden. Letztendlich bin ich froh, dass wir im letzten Jahr ins Finale gekommen sind. Das hab ich nämlich etliche male scheitern sehen. Ich erinnere da nur mal an dieses verrückte Duell gegen Manchester United, das mich auch einige nerven kostete. Damals wie heute würd ich sogar sagen, wir sind mit dem Einzug ins Finale viel zu weit gekommen. Das hat es einfach noch nicht gedurft. Dadurch hat man sich an der Säbener weit zurückgelehnt und den Kader nicht verstärkt.

In dieser Saison seh ich die UEFA Champions League noch viel mehr als Draufgabe, als im letzten Jahr. Unsere verkorkste Saison soll in meinen Augen durch die Liga gerettet werden. Alles was in der Champions League passiert ist Bonus und sollte so auch gewertet werden.

“Die Bayern sind reif!”

Am Samstag kommt es zum nächsten Topspiel. Wir treffen auf Borussia Dortmund. Die große Borussia, von denen ich immer noch nichts zur Meisterschaft gehört habe. Mittlerweile find ich es eher lächerlich als “angebracht”. Sind wir doch ehrlich, die Dortmunder hätten es verdient. Eine überaus gute Saison, spielen schönen Fußball und dann auch noch konstant. Dieses böse M-Wort dürfte man in Dortmund mittlerweile ruhig mal in den Mund nehmen. Ein Mirko Slomka hat am Wochenende nach der erreichen der 40 Punkte Marke mit Hannover 96 ja auch nicht davon geredet, dass Spielen nun einzustellen. Die Dortmunder versuchen es nicht mit dem M-Wort, sondern mit Überheblichkeit:

»Jetzt schlagen wir München, werden Vollgas geben. Bayern ist reif! 10.000 Fans begleiten uns zu den Bayern. Die werden das für uns zu einem Heimspiel machen – in München ist ja eh nicht so viel los. Wir spielen den geilsten Fußball und werden zeigen, warum wir Erster sind. Durch Sprüche werden die Bayern kein Meister!« – Kevin Großkreutz [1]

Alles schiebt in Dortmund eine ruhige Kugel, selbst bei den Fans hört man das M-Wort noch nicht, bzw. nicht oft. Doch Kevin Großkreutz will wohl langsam damit anfangen. Ich finds tendenziell gar nicht so schlimm, wenn man seinem Gegner “Angst machen” möchte, doch sollte das dann auch mit allem anderen Stimmen und das tut es in meinen Augen nicht. Herr Großkreutz, ich würde Sie doch bitten, erst mal über Dinge wie die Meisterschaft zusprechen, ehe ich mich den Gegnern widme.

Eine passende Antwort von uns wäre dann in dieser Woche zwei Siege. Erst gegen Inter Teil I der saisonalen Draufgabe vorbereiten, dann am Samstag gegen Dortmund nachlegen und den Meister 2010/11 noch einmal ärgern. Dann wird der große Kevin sein Kreuz hoffentlich überladen haben.

[1] Breitnigge.de – Abruf: 21.2.2011 um 17:52 Uhr