Roadbook: Jahresendheimspiel

Donnerstagmorgen, Norddeutschland ist noch größtenteils weiß. Maximal die Straßen sind geräumt. Den Weg zur Bushaltestelle in meinem kleinen Dorf musste ich vorsichtig entlang schlittern. Die Bürgersteige waren gegen 8:30 Uhr noch kaum bis gar nicht geräumt.

Dass mein ICE erst gute 2 Stunden später fährt, ist einkalkuliert. Ich kenne doch die regionalen Bus- und Straßen-/U-Bahnlinien. Da kommt es im Winter gerne mal zu deutlichem Verzug. Mir ist es schon passiert, dass ich plötzlich einen Linienbus nahm, der eigentlich für 30 Minuten früher angekündigt war. Dabei wollte ich den gar nicht nehmen. Aber heute alles im Rahmen der Verspätungen.

Zudem wollte ich am Hannoveraner Hauptbahnhof noch gepflegt und in aller Ruhe frühstücken und mir Printmedien beschaffen. Ernsthaft. Ich und Printmedien. Ich muss wohl länger Zug fahren und habe nicht an Amazon und Kindle gedacht. Menno. Erste schlechte Nachricht am Hannover Hbf: 5 Minuten verspätet. Mein Wagenabteil kam aber pünktlich. Glücklicherweise. Ich konnte also in aller Ruhe ins warme gehen und meinen Sitzplatz einnehmen.

In geduldiger Manier wartete ich dann endlich auf die Abfahrt. Aus den fünf Minuten sind schnell 10 geworden. Mir war es egal. Ohne Termindruck, mit genug Printmedien und dem Tablet ausgestattet, ist mir alles ziemlich Wumpe gewesen. München rennt schließlich nicht weg. Mittlerweile tönte durch die Durchsagen: Kein Boardrestaurant. Na Aufgrund der Witterung. Wasser und Elektronik vertragen sich halt nicht sehr gut. Auch das war mir ziemlich egal.

Der erste Schock ereilte mich allerdings kurz nach Würzburg. Wichtige Durchsage: Zwischen Nürnberg und Ingolstadt sind Oberleitungsprobleme. Aber die Bahn reagierte entsprechend und leitete den Zug über Augsburg um. Nach Ingolstadt wollte ich ja sowieso nicht. Also wieder durchatmen und weiter fahren.

Mein Printproviant war übrigens bunt: Süddeutsche. Sport Bild. 11 Freunde. Die 11 Freunde habe ich auf dem Hinweg nicht angerührt. Die Süddeutsche grundsolide, wie immer. Die Sport Bild hat mich allerdings geschockt. Keine Ahnung, wie viele Dutzende Jahre es her ist, als ich mal die Sport Bild zuletzt in der Hand hatte, aber vermutlich ab nun auch nie wieder. Sehr überladen. Fühlte mich phasenweise wie auf einem Basar. Nun gut. Ich bin ja nun auch nicht hier, um Printmedien zu bewerten.

Der Umweg über Augsburg kostete gute 40 Minuten.

Wer eine Twitter-Timeline voller Münchner hat, sieht oft Tweets über das gefluche des MVV. Ich dachte mir immer so, dass das ziemlich übertrieben ist. Aber irgendwie kann ich das nun ein wenig nachvollziehen. Doof finde ich schon mal, dass die Ticketautomaten nicht auf den Bahnsteigen stehen. Kenne ich aus Hannover halt anders. Erklärungen zu den Zonen fand ich auch kaum.

Als ich dann zum Stadion wollte, stieg ich Marienplatz ein. Ungewohnt für mich: Aufsichtspersonal an jeder Türe. Dazu Gleisbruch auf der Linie. Und damit natürlich Verspätungen. Ich hatte dann aber auch fast alles in einmal. Der Ansager am Marienplatz war aber der Hit. Er bat alle darum, weiter nach vorne zu gehen bzw. zur Mitte des Bahnsteigs. Offenbar sind ihm zu viele hinten geblieben. Wurde immer grantiger, der Kerl. Ich hatte aber meinen Spaß, ganz gewiss. Aber mächtig voll und das obwohl ich recht früh nach Fröttmanning unterwegs war.

Auf der Rückfahrt vom Stadion unterhielt ich mich doch glatt mit zwei Gladbachern. Aber bis auf die Absperrung des Gleises um eine Überfüllung zu vermeiden, ist nichts Besonderes passiert. War schon fast enttäuscht.

Die Rückreise am Samstag begann entspannt. Naja, kein Wunder. München war der Abfahrtspunkt des ICE und somit eine Verspätung nicht möglich bzw. nur schwer möglich, eine rein zubauen.

Das erste Highlight kam in Ingolstadt auf mich zu. Ich bemerkte bei der dazu steigenden Meute von St. Paulianern, das die Schanzer gegen St. Pauli spielte. Zwei Reihen vor mir saß daraufhin eine Dame,  ich würde so Anfang bis Mitte-30 tippen. Die holte zu ihrem Todeskopfhoodie auf einmal das Strickzeug raus. Dazu die Flasche Bier in der Hand. Ein Anblick bei dem ich lachen musste.

Hulk kam dann später auch noch in den Zug. Ein gefühlt 2 Meter mal 2 Meter großer mit muskelbepackter Kerl, der einen Dynamo Dresden Schal um den Hals trug.