Herbstmeister nach 14 Spieltagen

Irgendwie war ich der Meinung, den Herbstmeister krönt man kurz vor Weihnachten. Doch diese Saison ist dem nicht ganz so. Bereits Ende November krönten wir uns dank Fortuna Düsseldorf und unserem Sieg gegen den SC Freiburg zum nicht existenten Herbstmeister.

Bedeutet mir dieser nicht vorhandene Titel etwas? Gewiss. Es ist ein schönes Gefühl frühzeitig zu wissen, dass die Jahreswende 2012 zu 2013 der Platz ganz oben auf dem Berg, von da wo man das Feuerwerk am besten sehen kann, uns gehört.

Es ist momentan Entspannung Pur bei mir. 10 Punkte vor dem 2. Bayer Leverkusen, sogar 11 Punkte auf den noch amtierenden, in der nächsten Saison will ich das Wort in Bezug auf den BVB nicht mehr schreiben müssen, Meister Borussia Dortmund. Wahnsinn. Dazu gerade mal nur fünf verlorene Punkte nach 14 Spielen. Eine unfassbare Torbilanz bis dato und eine noch unfassbarere Auswärtsbilanz.

Ja meine Güte. Ich komme ja heute gar nicht mehr aus dem schwärmen raus.

Und ich möchte damit noch gar nicht aufhören. Ich muss nämlich noch über Dante schwärmen. Ein unfassbarer, dieser Brasilianer mit seiner stylischen Vollmatte auf dem Kopf. Ich musste gestern schon etwas grinsen, als die Medien mir berichteten, dass Lucio bei Wolfsburg im Gespräch sei. Jetzt mal im Ernst. Eine Innenverteidigung aus Naldo und Lucio, Wahnsinn. Das hätte schon sehr viel potenzial für Slapstick und noch ganz viel mehr Chaos.

Versteht mich nicht falsch. Ich mag Lucio und fand es toll, dass er bei uns war. Aber wenn man ihn mal im Vergleich zu Dante setzt, dann sind das zwei völlig unterschiedliche Brasilianer. Bei Dante ist viel weniger Potenzial für den großen Bock vorhanden und, was mir persönlich fast genau so wichtig ist, er ist kein Lucio der einfach mal 70 Meter durch alles versucht durch zu rennen, was gerade so auf dem Feld steht. Wirkte gerne bei Lucio als wolle er für eine Folge von „Takeshis Castle“ üben.

Also momentan ist Dante für mich sogar der MVP der bisherigen Saison.

Das schöne an diesem 14. Spieltag fand ich übrigens die Konstellation, dass sowohl der BVB als auch wir nur mit angezogener Handbremse und teilweise Schonung der Stammbelegschaft agierten. Das Spiel am Samstag stand halt doch in gewisser Weise zu jedem Zeitpunkt im Fokus. Auch wenn Spieler und Verantwortliche von beiden Vereinen das gerne mal abstreiten.

Was mich besonders dabei freute, war zusehen, dass wieder alles im gewohnten Gang ist. Wir können solche Spiele wie gestern gegen Freiburg endlich wieder über die Zeit bringen. Während Dortmund tags davor mit einer ähnlichen Leistungen nicht über ein Unentschieden hinaus kam. Ich würde einen Fünfer drauf wetten, dass es in den letzten 1-2 Saisons genau anders herum gelaufen wäre. Wir hätten das späte Ausgleichstor gefangen und die Dortmunder hätten das nötige Momentum (eigentlich fiel mir ja ein anderes Wort ein, aber nein, das setze ich dort nicht ein…) auf ihrer Seite gehabt.

Gestern ging es im Breisgau ziemlich Dröge zur Sache. Die Führung bescherte uns ein „kann-man-geben“-Handelfmeter in der 12. Minuten. Thomas Müller verwandelte den fälligen Strafstoß mit halbaufkochendem Wasser. Passt. Wenige Minuten später flog der Freiburger Diagne nach einem Halten an Xherdan Shaqiri wegen Notbremse vom Feld. Kann man sich nicht beklagen.

Da ging dann bei vielen das erste kleine Zittergefühl durch den Magen. Gegen 10 Mann sollen wir gewinnen? Das lief zuletzt gegen Nürnberg und Valencia nur suboptimal um nicht ein Wort wie schlecht nutzen zu wollen.

Auch gestern sollte das nicht ganz so gut aussehen, wie man sich das als Fan des FC Bayern gegen 10 Freiburger gewünscht hätte. Letztlich konnte unsere Klasse und ein stürmender Tymoshchuk, ernsthaft jetzt, dann doch für die späte 2:0-Entscheidung sorgen. Ich hätte dem Ukrainer, den auch ich gerne mal kritisiere, soviel Qualitäten im Sturm gar nicht zugetraut. Schön gemacht.

Nach dem Spiel sorgte dann Freiburgs Trainer Christian Streich für ein weiteres lächeln in meinem Gesicht. Er fand die Schiedsrichterleistung nicht sonderlich toll. Überhaupt wurde der SportClub benachteiligt, weil er doch einfach nur ein kleiner Verein sei.

Erstens finde ich Schirischelten direkt nach Abpfiff für sehr bedenklich und Zweites sollte Herr Streich sich das Spiel noch mal anschauen. Natürlich war der Handelfmeter nicht so glasklar. Aber spätestens Ribéry hätte später einen weiteren bekommen können und auch das vermeintliche Handspiel von Javi Martinez war jetzt auch eher Abteilung kein Elfmeter. Da war das vom Freiburger Sorg schon „mehr“. Darüber hinaus wurden wir 2-mal mit Abseits, welches keines war, zurück beordert. Aber weil wir ja der große FC Bayern sind, sind wir halt immer die, die vom Schiedsrichter eher bevorteilt werden. Nun gut. Mit einer rosaroten Fanbrille hätte ich in der Tat wenig dagegen.

Am Samstag geht es, wie bereits erwähnt, gegen Dortmund weiter. Spitzenspiel zur Spitzenspieluhrzeit. Das wird hoffentlich ein Fest.

Ausgelutscht

Nach dem deprimierenden Spiel gegen Borussia Dortmund folgte unter der Woche die so genannte Auferstehung gegen das kleine Villareal. Doch Villareal war nur ein kleiner Baustein, wie man heute wieder sehen konnte.

Der 1. FSV Mainz 05 schlägt uns in ihrer Coface Arena mit 3:2. Würde ich jetzt sagen, »unverdient«, würde ich mir vermutlich ins eigene Fleisch schneiden. Thomas Tuchel hat, anders wie Villareal unter der Woche, unseren Gameplan gekannt. Unseren Gameplan, den wir in dieser Saison durchgängig anwenden.

Sobald uns der Gegner mit hohem Pressing antwortet, stehen wir vor der Ratlosigkeit. Hinzu kam heute, wie auch am letzten Samstag gegen Dortmund, die fehlende Variabilität. Das defensive Mittelfeld mit David Alaba und Luiz Gustavo war unterirdisch. Weder der junge Österreicher noch der mittlerweile routinierte Gustavo fanden sich zurecht. Das sorgte vor allem dafür, dass die Linien zwischen Defensive und offensivem Mittelfeld sehr weit auseinander waren.

Die mitwirkende Verunsicherung im kompletten Defensivverbund, möchte ich am liebsten gar nicht erwähnen. Sogar ein Manuel Neuer hat sich davon anstecken lassen.

Ich mag es nicht, dass man alles von Bastian Schweinsteiger abhängig macht. Natürlich ist ein Schweinsteiger, oder »Hase« wie wir ihn neuerdings liebevoll nennen, nicht einfach zu ersetzen. Trotzdem sind die Niederlagen gegen Dortmund und Mainz nicht daran auszumachen. Heute hätte die Linie mit Alaba und Gustavo reichen müssen. Wobei ich Alaba sowieso nicht so gern im Defensivverbund sehe. Wenn es um die Defensivarbeit geht, fehlen ihm noch etliche Zehntel. Trotzdem darf uns so etwas wie heute eigentlich nicht passieren.

In absehbarer Zeit muss ein zweiter Gameplan her. Mindestens! Wenn uns die Gegner so wie Dortmund oder Mainz oder Hannover oder zum Teil Augsburg gegenüber stehen, dann artet das oft in Probleme aus. Und weil wir derzeit nicht in der Lage sind, die richtigen Adjustments zu treffen, lässt man uns an ausgestreckter Hand lächerlich verhungern.

Wir sind gut, wenn der Gegner offensiv mitspielt. Was zum Beispiel nächste Woche ein großer Schmaus werden könnte gegen Bremen. Spielt man Pressing gegen uns, steht kompakt und macht die Räume eng, dann sieht das so aus wie heute oder gegen Dortmund.