Bonuspunktekonto: Limit ausgereizt!

Wir haben das Topspiel am 24. Spieltag der Fußball Bundesliga verloren. Verdient und auf eine Art und Weise, da kann man nur den Hut vor Borussia Dortmund ziehen. Die Dortmunder präsentierten sich beim 3:1 Sieg in unserer Allianz Arena wie ein Meister. Sensationelle Laufbereitschaft, gute Defensivarbeit und vor allem, vor dem Tor brandgefährlich. Dieser BVB hat es verdient, am Ende der Saison die Schale zu bekommen, sie hoch zuhalten und Deutschland, fußballerisch, zu regieren.

Mich stört an den ganzen letzten Wochen die Aufstellung, die taktischen Entscheidungen von Louis van Gaal. Warum Danjiel Pranijc regelmäßig als 6er neben Bastian Schweinsteiger beginnt, ist mir ein offenes Rätsel. Alleine nach dem Spiel am Mittwoch gegen Inter hätte die Position doch fest an Luiz Gustavo vergeben sein müssen. Was für ein Spiel der Brasilianer gegen Wesley Sneijder machte schien bei van Gaal wohl untergegangen zu sein. Und wenn ich dann noch überlege, wie gut Pranjic bis zu seiner Verletztung als LV agierte, versteh ich diese Entscheidung von van Gaal noch weniger. Als van Gaal dann nach der Pause Luiz Gustavo rausnahm um Toni Kroos zu bringen, verstand ich die Welt nicht mehr. Da hätte sich eine Herausnahme von Pranjic doch viel besser angeboten, der sowieso ein schwaches Spiel machte.

Neben dieser personellen Entscheidung stört mich ja, bekanntlich, schon seit einigen Spielen die Sache mit Franck Ribéry und Arjen Robben. Ich versteh einfach nicht, warum die beiden ihre Linie so strikt halten müssen. Das heute war doch das beste Beispiel, dass das nur schief gehen kann. Robben zeigte nichts, gar nichts! Verreckte immer gegen 2-3 Spieler, was die Borussia ziemlich gut machte. Die Borussen hatten aber auch einen Vorteil, sie mussten nur die Innenseite abdecken. Zur Grundlinie ist Robben sowieso nicht vorgerückt und hat versucht mit seinem rechten Fuß zu flanken. Sicherlich kann ich nicht davon ausgehen, dass so ein Wechsel viel geholfen hätte, aber versuchen muss man es doch mal.

Ich bin eigentlich niemand, der schnell auf den Trainer los geht. Viel mehr bin ich für eine klare Linie beim Trainer und finde daher gerade die Entwicklung in Bremen so gut. Jeder andere Verein hätte schon die Notbremse gezogen und Thomas Schaaf vor die Türe geflatscht, die Bremer gedulden sich aber weiterhin. Leider hat van Gaal bei mir keine Bonuspunkte mehr, mir schwindet das vertrauen in den Trainer. Das mag schon was heißen, da ich die Entlassung von Jürgen Klinsmann heute noch nicht immer ganz positiv entgegen sehe. Klinsmann hatte gute Ansätze und ich hätte ihn gern länger gesehen bei uns. Bei van Gaal seh ich aber keine Steigerung des Teams. Einige Ansätze sind hin und wieder da, einige Ideen nicht schlecht, tendenziell jedoch seh ich das ganze negativ und das nicht erst seit dem heutigen 1:3.

Persönlich bin ich schon dafür, dass man sich von van Gaal trennt. Das hängt mit seinen Entscheidungen rund um die Taktik zusammen und auch mit seinem Stress gegenüber der Führungsetage. Ich bezweifel fast, dass van Gaal die nächsten Tage in Ruhe gelassen wird. Christian Nerlinger, Uli Hoeneß oder Kalle Rummenigge werden sich sicherlich zu Wort melden und das nicht positiv. Achja, Nerlinger dürfte ruhig mit gehen. Der Kerl geht mir mittlerweile auch furchtbar auf die, ihr wisst schon.

Nicht falsch verstehen, ich steh auch weiterhin dem Team und werden van Gaal auch versuchen zu verstehen, aber es gibt halt auch Punkte, da muss ich mal meinen Frust rauslassen. Sowieso halte ich von einem Trainerwechsel in der Sommerpause am wenigsten, weil ein neuer Trainer ebenso Zeit braucht um sich um Verstärkungen zu bemühen.

Intermezzo

Schlagen wir mal das Glöckchen für die 2. Runde in den “Wochen der Wahrheit”. Am Mittwoch spielen wir gegen den amtierenden UEFA Champions League-Sieger Internazionale Milano.

Gespielt wird im wunderschönen San Siro oder auch Guiseppe Meazza genannt. Schon lang ist das San Siro für mich eines der schönsten Stadien weltweit. Als dann am 23. Mai 2001 wir in diesem Stadion auch noch die Champions League gewonnen haben, katapultierte sich das San Siro natürlich noch weiter nach oben.

Revanchefeeling?

Es ist am Mittwoch für viele nicht nur ein Achtelfinal-Hinspiel. Viele sehen in dieser Neuauflage des Finales von letztem Jahr auch eine Chance auf Revanche. Das mag durch aus sein, für mich sind die Spiele gegen Inter aber keine Revanche. Mir persönlich fehlt dafür die wichtigste Person bei Inter aus der vergangenen Saison, nämlich Jose Mourinho. Der Portugiese war die Seele des Teams.

Wir brauchen auch gar nicht über eine Revanche reden. Letztendlich bin ich froh, dass wir im letzten Jahr ins Finale gekommen sind. Das hab ich nämlich etliche male scheitern sehen. Ich erinnere da nur mal an dieses verrückte Duell gegen Manchester United, das mich auch einige nerven kostete. Damals wie heute würd ich sogar sagen, wir sind mit dem Einzug ins Finale viel zu weit gekommen. Das hat es einfach noch nicht gedurft. Dadurch hat man sich an der Säbener weit zurückgelehnt und den Kader nicht verstärkt.

In dieser Saison seh ich die UEFA Champions League noch viel mehr als Draufgabe, als im letzten Jahr. Unsere verkorkste Saison soll in meinen Augen durch die Liga gerettet werden. Alles was in der Champions League passiert ist Bonus und sollte so auch gewertet werden.

“Die Bayern sind reif!”

Am Samstag kommt es zum nächsten Topspiel. Wir treffen auf Borussia Dortmund. Die große Borussia, von denen ich immer noch nichts zur Meisterschaft gehört habe. Mittlerweile find ich es eher lächerlich als “angebracht”. Sind wir doch ehrlich, die Dortmunder hätten es verdient. Eine überaus gute Saison, spielen schönen Fußball und dann auch noch konstant. Dieses böse M-Wort dürfte man in Dortmund mittlerweile ruhig mal in den Mund nehmen. Ein Mirko Slomka hat am Wochenende nach der erreichen der 40 Punkte Marke mit Hannover 96 ja auch nicht davon geredet, dass Spielen nun einzustellen. Die Dortmunder versuchen es nicht mit dem M-Wort, sondern mit Überheblichkeit:

»Jetzt schlagen wir München, werden Vollgas geben. Bayern ist reif! 10.000 Fans begleiten uns zu den Bayern. Die werden das für uns zu einem Heimspiel machen – in München ist ja eh nicht so viel los. Wir spielen den geilsten Fußball und werden zeigen, warum wir Erster sind. Durch Sprüche werden die Bayern kein Meister!« – Kevin Großkreutz [1]

Alles schiebt in Dortmund eine ruhige Kugel, selbst bei den Fans hört man das M-Wort noch nicht, bzw. nicht oft. Doch Kevin Großkreutz will wohl langsam damit anfangen. Ich finds tendenziell gar nicht so schlimm, wenn man seinem Gegner “Angst machen” möchte, doch sollte das dann auch mit allem anderen Stimmen und das tut es in meinen Augen nicht. Herr Großkreutz, ich würde Sie doch bitten, erst mal über Dinge wie die Meisterschaft zusprechen, ehe ich mich den Gegnern widme.

Eine passende Antwort von uns wäre dann in dieser Woche zwei Siege. Erst gegen Inter Teil I der saisonalen Draufgabe vorbereiten, dann am Samstag gegen Dortmund nachlegen und den Meister 2010/11 noch einmal ärgern. Dann wird der große Kevin sein Kreuz hoffentlich überladen haben.

[1] Breitnigge.de – Abruf: 21.2.2011 um 17:52 Uhr