UEFA Supercup: Ein wenig Revanche?

Am heutigen Freitagabend findet in Prag der UEFA Supercup statt. Dieser Wettbewerb wird seit 1972 ausgetragen. Bis einschließlich 1997 wurden jeweils noch 2 Spiele, mit einigen Ausnahmen, im Supercup ausgetragen.

Unser Sieg im UEFA Cup 1996 berechtigte uns derweil nicht zur Teilnahme am Supercup, da damals noch der Europokal der Pokalsieger die 2. Höchste europäische Klubebene darstellte. Erst nach der Abschaffung jenes wurde 2000 der UEFA Cup, die heutige UEFA Europa League, an diese Stelle gerückt.

Demnach besitzen wir 5 Teilnahmen am Supercup durch unsere 5 UEFA Champions League-Siege. Eigentlich sind es sogar nur 4 Teilnahmen, da der UEFA Supercup 1974 gegen den 1. FC Magdeburg nicht ausgetragen wurde. Damals war es noch kein fester Termin der UEFA, sondern die Teams mussten sich auf die Termine selbst einigen. Das klappte damals zwischen Magdeburg und dem FC Bayern nicht.

Wir können Geschichte schreiben. Bisher konnten wir und auch kein anderes deutsches Team den UEFA Supercup gewinnen. Ausgerechnet dann auch noch gegen den FC Chelsea.

Viele werden ab diesem Punkt von euch jetzt wollen, dass ich nicht weiter schreibe. Nicht über das verlorene »Finale Dahoam« schreibe. Jenes Spiel welches im Elfmeterschießen verloren wurde, welches der FC Bayern nicht in 90 Minuten über die Zeit brachte, nicht in der Verlängerung gewinnen konnte. Sowohl nach 90 als auch nach 120 Minuten waren genügend Möglichkeiten gegeben, das Spiel zu gewinnen.

Wenn man das destruktive Chelsea mit einem Eckball im Spiel hält bzw. in die Verlängerung bringt, ist man selbst schuld. Leider ist es nicht mehr dasselbe Chelsea wie vor über einem Jahr. Aber dafür ist Jose Mourinho zurück zu den Blues und gegen ihn macht es auch besonders Spaß zu gewinnen. Immerhin hat uns Mourinho 2010 im Finale mit Inter geschlagen.

An sich ist das Spiel schon ein wenig wichtig, zumindest auf unserer Fanseite. Zumindest wir möchten innerlich die Genugtuung darüber haben, dass wir den FC Chelsea schlagen können in solchen Spielen. Sicherlich kann der UEFA Supercup das verlorene Finale Dahoam nicht wettmachen geschweige ersetzen, aber ein kleiner Trost wäre es schon. Zumal auch Jose Mourinho, wie erwähnt, dabei ist.

Im Training standen auch wieder Bastian Schweinsteiger und Javi Martinez zur Verfügung. Ob Schweinsteiger am Abend auflaufen wird, wird kurzfristig entschieden. Ich bin eher für Pause, aber dafür könnte er doch das Länderspielpäuschen nutzen. Obwohl. Dieses nennt sich das ganze leider Qualifikationsspiel und nicht Freundschaftsspiel. Mist.

Ihr erwartet jetzt sicherlich 3:0? Ne. 2:1 heute mal. Vielleicht auch 3:1. Nein, eher 2:1.

»Richtig versöhnen werde ich mich mit der letzten Saison nicht mehr, denn du wirst nie wieder ein Champions-League-Finale zu Hause spielen. So ehrlich muss man sein, dieser Schmerz wird immer bleiben.«
Bastian Schweinsteiger im Interview mit der Süddeutschen-Zeitung (Print-Ausgabe, 29.09.2012) auf die Frage, was passieren muss, damit er sich mit der zurückliegenden Saison versöhnen kann.

Gefühlskalt.

Die Saison ist, pflichtspieltechnisch, auf Vereinsebene vorbei. Der FC Bayern München hatte 4 Ziele. Den Gewinn der Meisterschaft, des DFB Pokals, der Champions League und die Historie, im eigenen Stadion die Champions League zu gewinnen.

Wie lange es gedauert hat, “diesen Schmerzen” zu verdauen? Nicht lange. Samstag nach dem Spiel saß ich einige Minuten bedrückt auf dem Stuhl. Die Nacht war sicherlich alles andere als ruhig für mich. Vielleicht ist meine Gefühlskälte momentan auch eher so was wie ein Schutzpanzer. Ein Panzer gegen dieses Gefühl verloren zu haben. Die drei Möglichkeiten vergeben zu haben. Teilweise sogar fahrlässig. Vielleicht.

Vielleicht ist es aber auch nur die nüchterne Erkenntnis, dass dieser FC Bayern momentan nicht das ist, was er sein möchte. Der beste Verein in Deutschland und einer der Big Clubs in Europa. Vielleicht.

Ich kann und will eigentlich momentan auch gar nicht dieses Gefühl der Niederlage vor mir herschieben. Auch wenn ich immer davon rede, dass ich jedes Spiel, jeden Titel und überhaupt alles gewinnen will. Es ist eine gewisse Außendarstellung von mir, die ich nicht ändern möchte. Ich kann auch realistisch sein. Doch Ziele sind Ziele. Und meistens sind Ziele auch Träume und Wünsche. Ich will nach wie vor diesen Traum des Triple. Und gerade mit der Möglichkeit in der eigenen Stadt, im eigenen Stadion und vor eigenem Publikum zu erreichen. Mein Traum. Der Traum von Uli Hoeneß. Und der von vielen anderen auch.

Seien wir doch mal ehrlich. Oder besser gesagt ich. Diese Saison hätte es auch nur bedingt verdient gehabt, belohnt zu werden. Egal ob mit einen oder mehrerer Titel und Trophäen.

Nein. Wir haben es uns selbst eingebrockt. Egal wie viel “Glück und Pech” im Spiel gegen den FC Chelsea dabei gewesen sein mag. Wenn man aus über 40 Torschüssen und 20 Ecken keinen zählbaren Erfolg rausholen kann, dann ist das nicht so “unverdient”, wie ich das gerne hätte. Ich möchte nicht davon reden, ob wir jetzt verdient oder unverdient gewonnen haben. Ob Chelsea den Titel verdient oder unverdient gewonnen hat. Ich will einfach nur zum Ausdruck bringen, wie wir es selbst verbockt haben. Eigenständig. Wir sind nicht mal an Chelsea oder deren Taktik gescheitert, sondern an uns selber.

Oliver Kahn würde vermutlich sagen, “Eier, wir brauchen Eier!”. Er hat nicht ganz unrecht, gemünzt auf das Elfmeterschießen. Das Ivica Olic und Manuel Neuer antreten mussten, signalisiert es doch eigentlich bereits. Ich spreche nicht von einer “Verlierergeneration” oder einer “Vizegeneration”. Gewiss nicht. Warum auch? Der Kern des Teams ist jung und hat – hoffentlich – jetzt nicht aufgesteckt. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass wir baldig wieder angreifen werden.

In diesem: Geht euch Sonnen. Sommerpause ist.