Wenn das Familienoberhaupt in der Bredouille ist…

In der Rudi-Sedlmayer-Halle war am Mittwochabend eine denkwürdige Jahreshauptversammlung unseres Vereins. In der Hauptrolle war mal wieder Ulrich Hoeneß, immerhin Präsident meines, unseres Vereins.

Bereits nach den ersten Sätzen von Uli Hoeneß merkte man eine angespannte Stimmung bei Vereinsangehörigen wie auch bei den Mitgliedern. Auch im Stream kam diese merkwürdige Stimmung rüber. Zumal Uli Hoeneß die Tagesordnungspunkte geändert hatte. Sein eigener Bericht wurde nach hinten verschoben. Die ersten Gerüchte um einen möglichen Abschieds Hoeneß kursierten durch das Web2.0.

Als Karl-Heinz Rummenigge vorne stand und seine Dankesrege auf Hoeneß fertigt hatte erhob sich die Arena beinahe geschlossen. Feierte Uli Hoeneß und sang „Uli Hoeneß du bist der beste Mann“. Auf dem Podium gab es einen weinenden Präsidenten zusehen. Die Halle stand, mehr oder weniger, geschlossen minutenlang hinter Hoeneß.

„Wenn ich mir anschaue, wie Sie ihn gerade gehuldigt haben, bin ich nicht sein einziger Freund. Der ganze FC Bayern ist sein Freund.“

Rummenigge nach den Standing Ovations

Nach der Rede von Rummenigge kam es endlich zum heiß ersehnten Vortrag vom Präsidenten selbst. Der mit aller Cleverness seine persönlichen Probleme vor seine Rede über den FC Bayern schob.

Hoeneß bedankte sich bei seinen Mitglieder für diese Reaktion. Sprach anschließend vorne am Rednerpult und gab bekannt, dass eine außerordentliche Hauptversammlung nach einem Urteil einberufen werden wird. In der soll dann über die Zukunft von Hoeneß in seinem Amt entschieden werden.

Uli H. hat einen Fehler gemacht. Einen großen. Er hat Steuern hinterzogen und gehofft das ein Gesetz kommt, dass am Ende eben nicht kam. Er hat seinen Fehler mit der Selbstanzeige zugegeben und wird sich verantworten müssen. Mittlerweile wurde durch die Staatsanwaltschaft die Klage eingereicht, im März 2014 wird es zum Prozess gegen Uli Hoeneß kommen. Das Familienoberhaupt des FC Bayern droht eine Haftstrafe.

Trotz dieser Geschichte ist Uli Hoeneß weiterhin Präsident des FC Bayern München e. V.. Zumindest bis zur außerordentliche Hauptversammlung nach dem Urteil. Viele fordern seit Monaten den Rücktritt, einige wollen immerhin nur, dass er bis zum Urteil sein Amt ruhen lässt. Irgendeiner wird immer unzufrieden sein. Für mich persönlich gab es nur einen richtigen Moment für einen Rücktritt. Nach dem Gewinn der drei wunderschönen Titel in einer Saison. Den Verein am Höhepunkt zu verlassen wäre der Punkt gewesen Bye zu sagen.

Was ich möchte? Weiß ich nicht. Ich kenne den FC Bayern nur mit Uli Hoeneß und kann mir auch nur schwer eine Zukunft ohne diesen Mann vorstellen. Er ist das Familienoberhaupt dieses Vereins. Seit Jahren, ach seit Jahrzehnten. In einer guten Familie steht man auch in schweren Zeiten hinter seinen Familienmitgliedern.

Nehmen wir die Standing Ovation auf der Jahreshauptversammlung als Messpunkt, ist dem so. Die Mitglieder stehen hinter ihrem Präsident. Beinahe vollzählig. Das hat jeder zu akzeptieren in unserem Land der Demokratie. Auch der FC Bayern ist eine Demokratie.

Für viele mag das moralisch nicht vereinbar. Auch ich hege leichte Zweifel an der Gesamtsituation, auch wenn ich oben schrieb, dass ich nicht wirklich weiß wie ich mich verhalten soll. Zweifel sind aber da. Leichte.

Vermutlich werde ich nicht in München sein, wenn die außerordentliche Hauptversammlung ist. Für mich persönlich wahrscheinlich gar nicht so schlecht. Ich weiß nicht ob ich korrekt abstimmen würde. Ob ich so abstimmen würde, dass ich auch noch nach Tagen mich damit wohlfühlen würde. Es ist eine schwierige Situation. Für Uli Hoeneß, aber auch für den Verein und die Mitglieder.