Mein Jahresrückblick

Ich könnte anfangen mit den Worten „Was für ein Jahr!“ und würde dabei irgendwie sogar noch untertreiben. Immerhin hat der FC Bayern in diesem Kalenderjahr fünf Titel gewonnen. Fünf. 5. Das ist sensationell und kaum bis gar nicht in Worten zu würdigen.

Den ersten Titel gab es, mathematisch, Anfang April in Frankfurt. Die Deutsche Meisterschaft wurde rechnerisch perfekt gemacht und man konnte im Block sowie bei den Spielern merken, dass das ein guter und vor allem wichtiger Moment war. Eine unfassbar coole Szene entwickelte sich, als Dante sein Matchworn-Trikot gegen eine Schale aus dem Fanblock eintauschte. Das war einfach unfassbar locker und cool von unserem brasilianischen Verteidiger. Das wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Eigentlich hätte man erwartet, dass nun etwas Leistung – zumindest in der Bundesliga – rausgenommen wird bzw. besser gesagt abfällt. Früher wäre das wahrscheinlich so gewesen, doch Jupp Heynckes hat es hinbekommen die Ziele richtig zu definieren und für unserer Spieler die Motivation hoch zuhalten.

Ende des Monats April und Anfang Mai wurde dann im Halbfinale der UEFA Champions League die vielleicht besten Spiele der Saison abgeliefert. Ach vielleicht? Es waren für mich die besten Spiele der Saison! Immerhin ging es gegen keinen anderen Gegner als den FC Barcelona.

Das waren zwei unfassbare Spiele. Wir gewannen das Hinspiel in der heimischen Allianz Arena mit 4:0. Das wir dann eine Woche später im Rückspiel noch einmal ein 3:0 herausspielen und Barça über 180 Minuten in dieser Art und Weise dominieren war der pure Wahnsinn. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Katalanen in der jüngeren Vergangenheit der Champions League solch herbe und vor allem klare Niederlagen hinnehmen mussten. Viel mehr können wir Bayern-Fans uns wohl an das herbe 0:4 in der Saison 2008/09 erinnern.

Zwischen dem Gewinn der Meisterschaft und dem Einzug ins Finale der UEFA Champions League lag noch das Halbfinalspiel im DFB Pokal gegen den VfL Wolfsburg. Mit dem Tennisergebnis 6:1 schossen wir die Wölfe aus München raus. Mario Gomez schoss in diesem Spiel übrigens seinen letzten Hattrick für uns. Das war eine ziemlich einfache Nummer gegen die Wölfe.

Ich brauche wahrscheinlich nur das Datum nennen und ihr bekommt teilweise wieder eine Gänsehaut. Der 25.05.2013 wird immer ein besonderer Tag für uns bleiben. Um kurz vor 20:45 Uhr ertönt die Hymne der UEFA Champions League. Gänsehaut! Generell bekomme ich bei der Hymne der CL Gänsehaut, aber an diesem Abend war sie anders. Noch extremer. Noch besonderer.

Bei mir persönlich war die Anspannung richtig ausgebrochen. Vermutlich hatte ich zuletzt 1999 und 2001 diese enorme Anspannung verspürt. Die Niederlagen 2010 und 2012 waren irgendwie schon vorab anders.

Es dauerte eine ganze Stunde bis zum ersten Tor. Bis zur ersten kleinen innerlichen Erlösung. Robben bereitete für Mandzukic vor der nur seinen Latschen hinhalten musste. Aber anstand die Führung zu nutzen dauerte es keine 10 Minuten bis Dante im eigenen Strafraum Reus ungeschickt zu Fall brachte. Elfmeter und Gündogan lies sich nicht bitten und versenkte. Über die Leistung des Schiedsrichters will ich mich hier heute gar nicht mehr äußern. Vermutlich profitierten wir aber etwas mehr davon. Nehm‘ ich in solchen Spielen dann mal ganz gerne mit.

Ab der 80. Minute dachte ich, soll das hier wieder so enden wie letztes Jahr? Verlängerung? Ich will das nicht. Ich will die Entscheidung nach 90 Minuten. Für uns! Ich wurde erhört. Jemand hatte eine einsehen mit mir, ach mit uns!

A-U-S-G-E-R-E-C-H-N-E-T! Kurz vor Ende der regulären 90 Minuten steckte Ribéry per Hacke auf Robben der an Hummels vorbei ging und den Ball anschließend an Weidenfeller vorbei bekam. Der Ball hätte ruhig etwas mehr Geschwindigkeit haben können. Diese geeiere kurze vor dem Ende des Spieles. Ausgerechnet Robben macht das entscheidende Tor. Das Tor war für Robben wahrscheinlich selbst das wichtigste und emotionalste, was er je geschossen hat. Nicht nur, weil es den Sieg im wichtigsten Klubwettbewerb Europas war. Sondern weil er sicherlich selbst wusste, wie wichtig für ihn selbst dieses Tor gegen Dortmund ist. Man muss nur mal kurz an die Saison zuvor schauen. Als Robben im Spiel in der Liga der Unglücksrabe schlechthin war.

Das bei Robben die Last abgefallen ist nach dem Tor und vor allem nach dem Schlusspfiff konnte man an seiner ganzen Art ablesen. Robben war ein offenes Buch, den ich zuvor nie so gelöst gesehen habe. Der Holländer hat sich alles aus der Seele geschrien. Alles.

Durchaus etwas blöd war die Terminierung des DFB Pokalfinales nach dem Finale der UEFA Champions League und in den Zeitraum, wo die Nationalspieler für den Confed-Cup bereits abgestellt werden mussten. Wer kommt bitte auf solch dämliche Terminierungen? Das Finale der Champions League gehört als Saisonhöhepunkt als letztes Spiel terminiert! Basta.

Unser Lieblingsgegner der VfB Stuttgart stellte sich uns gegenüber. Ich persönlich konnte mich noch gut erinnern wie ich in der Saison zuvor Karten für das Finale hatte. Leider ging das damals wie ziemlich in die Hose. Doch nach dem Gewinn des Doubles aus Meisterschaft und Champions League war es in diesem Jahr anders. Jeder wollte sich unsterblich machen.

Am Ende machten wir das Finale im DFB Pokal etwas enger, als es nötig war. Nach einer 3:0-Führung noch 10 Minuten vor dem Ende den Anschluss zum 3:2 zu bekommen und dann durch die restlichen Minuten zittern. Meine Güte. Wir haben doch in den letzten Jahren genug mitgemacht und mussten oft genug unsere grauen Haare nach Spielen des FC Bayern zupfen. Es passierte aber nichts mehr und wir gewannen das Triple. Wahnsinn. (Wie oft habe ich das Wort in diesem Beitrag jetzt verwendet?)

Was für ein schöner Abschied für Jupp Heynckes! Was für eine Krönung des Lebenswerkes von Ulrich Hoeneß! Was für eine geniale Truppe haben wir da bitte in 2013 zusammen! Geil.

Wir sind erst bei Jahresmitte und haben bereits den ganz großen Wurf hinter uns. Das erste deutsche Triple wurde durch uns gewonnen.

Mit Pep Guardiola ging es in die neue Saison, in die zweite Jahreshälfte. Nach dem Gewinn diverser Reispokale in der Vorbereitung bekamen wir im ersten offiziellen Pflichtspiel der Saison einen Dämpfer verpasst. Wir mussten uns Ende Juli im DFL Supercup geschlagen geben. Borussia Dortmund durfte eine kleine Revanche nehmen für das UEFA Champions League Finale.

Vielleicht war es zur richtigen Zeit das richtige Ergebnis für uns. Nach einer beinahe viel zu erfolgreichen, viel zu sauberen und ruhigen Vorbereitung mussten wir kurz vor dem richtigen Start in die Saison noch einmal merken, dass das nicht unbedingt ein Selbstläufer werden sollte.

Den wichtigeren Supercup Ende August konnten wir aber für uns verbuchen. In Prag mit einer unfassbaren Stimmung unserer Fans konnten wir im Elfmeterschießen gegen Chelsea FC gewinnen. Dabei war das Spiel auch wieder eines dieser komischen Geschichten. Wir mussten sowohl in der regulären Spielzeit als auch in der Verlängerung Rückständen hinterherlaufen und in der Verlängerung dauerte es bis wirklich nur Millisekunden vor Abpfiff bis zum Ausgleich.

Wie 2012 im Finale Dahoam waren wir eigentlich erneut überlegen. Wir hätten das Spiel erneut vor dem Elfmeterschießen entscheiden können. Doch der Fußballpapst wollte uns zittern lassen. Doch dieses Mal hatten wir im Elfmeterschießen das Quäntchen auf unserer Seite.

Es folgte eine unfassbare Dominanz in Bundesliga, UEFA Champions League und DFB Pokal. Wobei uns die Dominanz in der Champions League beinahe um die Ohren geflogen wäre mit dem letzten Gruppenspiel gegen ManCity. Im Hinspiel in Manchester haben wir City an die Wand gespielt und auch im Rückspiel sollte das so aussehen doch nach 20, 25 Minuten brach alles bei einer Führung von 2:0 für uns ein. Manchester City drehte das Spiel und war dem 2:4 näher als wir dem Ausgleich zum 3:3. Das hätte für uns bedeutete, dass wir den Gruppensieg verloren hätten. Letztlich war es eine Niederlage in einem nicht ganz wichtigen Spiel. Zwei Niederlagen in einer Hinrunde in 29 Pflichtspielen. Wow. Dabei fehlt uns wegen der Reise zur Klubweltmeisterschaft sogar noch das Abschlussspiel des 17. Spieltages in der Bundesliga gegen den VfB Stuttgart, welches erst nach dem Rückrundenauftakt gegen Borussia Mönchengladbach stattfinden wird.

Titel Nr. 5 sicherten wir in Marokko. Die Klubweltmeisterschaft gewannen wir mit Siegen im Halbfinale gegen Guangzhou Evergrande und im Finale gegen Raja Casablanca. Fünf Titel.

Momentan kann ich nicht viel mehr sagen als Danke und das öfter als nur fünfmal. Viel öfter. Dem Verein und damit erst recht allen Spielern gehört ein riesengroßer Respekt gezollt. Ihr seid unvergesslich!

Ein kaum in Worte zufassendes Jahr ist quasi vorüber und ich habe hier doch soviel Text geschrieben. Vielen Dank, lieber FC Bayern München! Auf das wir noch viele tolle Spiele, Momente und Jahre zusammen erleben werden. Vielen Dank!

Akte Robert L. ungelöst

Seit geraumer Zeit ist Robert Lewandowski ein Thema in und um München. Ein Transfer des polnischen Nationalstürmers der derzeitig bei Borussia Dortmund unter Vertrag steht, hätte laut einigen Medien, schon zu diesem Sommer passieren sollen.

Dortmund stellte sich quer, hielt Lewandowski. Machte Lewandowski glücklich mit einer Gehaltserhöhung für sein, vermeintlich, letztes Jahr in schwarz-gelb.

Der Name Lewandowski lässt mich immer wieder aufspringen. Natürlich ist das Motto unseres Vereins jede Position doppelt besetz zu haben und das ist im Mittelfeld auch überdeutlich. Im Sturm sind Mandzukic und Pizarro diese beiden in der Doppelbesetzung, nachdem man Mario Gomez schon mehr oder weniger vom Hof gejagt hat. Dazu kommen dann Spieler wie Müller und Götze die ebenfalls in die Sturmspitze gehen könnten. Warum also Lewandowski? Er ist ein klasse Stürmer, selbstredend. Aber ist er in München wirklich von Nöten?

Wahrscheinlich hätte ich bei einem stillen Transfer ohne dieses seit Monate anhaltende Theater gesagt, es sei ein geiler Transfer der uns weiterhilft. Doch wie sich Lewandowski derzeit in Dortmund aufführt ist mir ein graus.

Da erzählt er, wann sein Wechsel bekannt gegeben wird um am nächsten Tag wieder das Gegenteil zu behaupten. Nach seiner Auswechslung im DFB Pokal schien er alles andere als glücklich zu sein. Nicht falsch verstehen, wer eine Auswechslung gut findet gehört für mich nicht auf den Platz. Aber die Art und Weise wie er dann mit Klopp zum Handshake kam, sah unglücklich aus.

Sollte Lewandowski im nächsten Sommer kommen, wird Mandzukic dann vom Hof geschickt?

Gerade jetzt ist doch alles harmonisch in München. Selbst Arjen Robben hat sich damit, zumindest in der Öffentlichkeit, abgefunden nicht immer jedes Spiel zu spielen. Ist ruhiger geworden. Warum also mit Lewandowski ein neues Fass aufmachen? Warum sollte Lewandowski seine neuen Starallüren einfach ablegen nur weil er dann in München ist und von seinem, mittlerweile, ungeliebten Dortmundern weg ist? Am Ende will er dann nach 1-2 Jahren ins Ausland wechseln und beginnt wie in Dortmund? Bitte nicht. Lasst Lewandowski machen was er will, aber nicht in München.

In & Out

Die Transferperiode endet am 31. August, dennoch wollte ich vor dem Bundesliga Auftakt gegen Borussia Mönchengladbach noch kurz unserer Transfers anreißen.

In: Wunsch- und Königstransfers

Thiago Alcántara lautet der absolute Wunschspieler von Pep Guardiola. Bereits beim FC Barcelona war Thiago, wie er genannt wird, der Liebling von Pep. Nach dem Guardiola dann seine Koffer packte und Barça verließ, lief es für Thiago nicht mehr ganz so gut. Unter Vilanova kam Alcántara gerade mal auf 8 Einsätze über 90 Minuten in La Liga, weitere 12x wurde er eingewechselt und 7x wurde er darüber hinaus noch ausgewechselt. In zwei Zahlen ausgedrückt: Auf 27 Einsätze in La Liga errechnet sich somit ein Durchschnitt von nur 52 Spielminuten.

Thiago kann im Mittelfeld eigentlich auf jeder Position eingesetzt werden. Bevorzugt ist Thiago allerdings in der zentralen Position zu finden und das sollte auch unter Pep bei uns seine „Stammposition“ werden, sofern er zum Einsatz kommt.

Der Königstransfer, in Bezug auf den Preis, ist sicherlich Mario Götze. Für knapp 40-Millionen-Euro wechselte Götze von unserem aktuellen Kontrahent Borussia Dortmund zu uns. Wie Thiago ist auch Götze im Mittelfeld beheimatet ist allerdings eher für die Offensive vorgesehen. Ebenfalls kann man Götze als Sturmalternative bringen.

Der größte Faktor bei Götze, den ich beobachten werde, ist wie verletzungsfrei er durch die Saison kommt. Aufgrund eines Muskelfaserrisses musste unsere neue Nummer 19 das Finale in der UEFA Champions League für seinen alten Klub noch sausen lassen. Ich hoffe, dass Mario Götze kein Arjen Robben ist und von den kleinen sowie großen Verletzungen frei bleibt.

Frühzeitig in der vergangenen Saison wurde ein Vertrag mit Jan Kirchhoff für diese Saison fixiert. Der 22-jährige Abwehrspieler kam ablösefrei vom Karnevalsverein aus Mainz. Die vergangene Saison von Kirchhoff war alles andere als eine einfache. Aufgrund von zwei Muskelfaserrissen und einer Oberschenkelzerrung fehlte Kirchhoff insgesamt für gute 13 Spiele in der Bundesliga. Zur Verbreiterung unserer Innenverteidigung ist Kirchhoff aber eine gute Wahl.

Out: Guter Deal & die unendliche Geschichte

Die Outliste ist etwas länger. Zuletzt wurde Emre Can zum Ligarivalen Bayer Leverkusen transferiert. Can bekam bei Leverkusen einen Vierjahresvertrag und im Transfer wurde für uns eine Rückkaufoption eingebaut. Sollte sich Can also entsprechend entwickeln und bei uns ein entsprechender Bedarf bestehen, kann Can natürlich relativ simple zurück kommen.

Allerdings, da möchte ich ehrlich sein, sah ich Can bei uns sowieso nicht. Ich denke dieser Deal tut ihm gut. Er ist durch aus talentiert, aber ich denke nicht dass es gereicht hätte bei uns. Von daher profitieren alle Seiten von diesem Deal.

Bereits vor Ende der letzten Saison war bekannt, dass uns Anatoliy Tymoshchuk verlassen wird. „Timo Beton“, wie Jerome Boateng auf Twitter zum Geburtstag des Ukrainers verriet, ist zurück nach St. Petersburg zu Zenit. Ich bin schon ein wenig traurig. Tymo war mir irgendwie direkt sympathisch und verlor auch nie an Sympathie. Es ist absolut verständlich, dass Tymo kurz vor seine Rente doch noch ein wenig kicken wollte. Das hätte er in München unter normalen Bedingungen nicht wirklich geschafft. Vielleicht sehen wir Tymo eines Tages an der Säbener Str. wieder, immerhin soll seine Familie in München geblieben sein.

Der für mich schmerzhafteste Verkauf ist Mario Gomez. Die Art und Weise wie Gomez in der letzten Saison behandelt wurde, störte auch mich. Generell hatte Gomez einen echt schweren Stand in München. Sei es durch unseren Präsidenten, der ihm beinahe sämtliche Klasse absprach und Gomez den verlorenen Titel „Dahoam“ anrechnet. Oder sei es über weite Teile der Fans, die Gomez immer viel zu kritisch gesehen haben.

Dazu kommt dann ein Lewandowski-Theater das in München eigentlich nie notwendig gewesen ist. Wir hatten doch ein elegant gutes Duo mit Mandzukic und Gomez. Aber was versteh ich schon von Fußball und diesem ganzen Biz.

Mario Gomez ist gewechselt in Richtung Italien, genauer sogar nach Florenz. Ich hoffe er wird dort glücklich. Gut gefallen würde mir, wenn er ungefähr genauso gut ankommt wie Miro Klose bei Lazio.

Des Weiteren ist Nils Petersen aus Bremen nicht zurückgekehrt. Obwohl im letzten Jahr für die Leihe von Petersen zu Werder keine Kaufoption vereinbart worden ist, einigte man sich dennoch auf einen Transfer. Ist wohl das richtige für Petersen.