Servus Mario Gomez

Ich bin traurig. Mario Gomez ist nicht mehr Teil des FC Bayern in dieser Saison. Mein letztes Trikot des FC Bayern, welches schon 3 Jahre alt sein dürfte, trägt die #33 von Mario Gomez.

Ich war oft alleine im Bekannten- und Freundeskreis, wenn es in Diskussionen um Mario Gomez ging. Selten traf ich jemanden, der meine Meinung teilte. Der Mario Gomez Objektiv bewertete. Immer wieder wurden ihm die nicht geschossenen Tore in der Nationalmannschaft, vor allem dieses eine gegen Österreich, vorgeworfen.

Ja, Mario Gomez ist kein Stürmer der Gattung „modern“. Mario Gomez ist Mario Gomez, eher ein Typ Knipser der eher alten Gattung. Gomez hatte nie das Standing beim FC Bayern, was er verdient hätte. Er wurde nicht an seinen Toren gemessen, sondern an den vorgegebenen Chancen und an dem, was andere über ihn sagten. Genau. Auch unser Präsident äußerte sich nicht immer glücklich.

Ich kann momentan nicht die richtigen Worte finden. Der Abschied hat für mich einen Beigeschmack, den ich schwer einordnen kann. Es mag sein, dass man Gomez frühzeitig die Erlaubnis gab zu verhandeln. Das kann ich nicht widerlegen, doch die Kommunikation nach außen der Verantwortlichen fand ich oft hundsmiserabel.

Aber ich will mich nicht aufregen. Ich wünsche Mario Gomez von Herzen alles Gute und hoffe, er findet in Florenz seine neue, zweite, Heimat und beschert mir viele schöne Spiele der Fiorentina mit ihm.

Kein Aggresiv-Leader bei den Bayern

Als ich heute morgen Aufstand, noch schnell die E-Mails checkte vor der Arbeit und dabei noch kurz auf Facebook vorbei schaute, bekam ich den ersten WTF Moment in mein Gesicht geschrieben. Mark van Bommel verlässt den FC Bayern. Das gab der Verein dann auch einige Stunden später auf der Vereinsseite bekannt.

Das man in einer schwierigen Phase den Kader umkrempelt, mag ja vielleicht in Ordnung sein. Das was wir machen, ist aber fahrlässig. Wir krempeln den Kader nicht um, wir schießen uns gegenseitig ins Bockshorn. Selbst die Abstiegskandidaten wissen, wie brauchen einen Leader – vielleicht sogar einen Aggresiv-Leader. Wir sind da aber wohl anders gestrickt. Bei uns möchte man auf Leader verzichten, man übergibt vermutlich Philipp (hier bitte einen Spitznamen einfügen, bei mir könnte das nicht gesund werden) Lahm das Kapitänsamt. Lahm als neuer Leader? Ich werd narrisch. van Bommel ist doch die Person gewesen, die als Leader auftrat. Danach kam allerhöchstens noch Bastian Schweinsteiger, der einen enormen Wandel vollzogen hat. Dem man das Kapitänsamt zutrauen dürfte. Wir brauchen keine Leader in schwierigen Zeiten, haben wir noch nie gebraucht. Und vor allem keinen Aggresiv-Leader, der auch mal einen dazwischen haut. Stefan Effenberg und Michael Ballack waren genau so harmlos wie ein Philipp Lahm. Prost.

Die eigentliche Frage, die mir aufkommt, warum ausgerechnet in der Winterpause? Doch sicherlich nicht, damit man van Bommel keine Steine in den Weg, für eine angenehme Restkarriere, legt. Das wäre im Sommer genauso möglich gewesen. Das ist in meinen Augen nicht mehr als Kokoloris. Und um eine Restablöse schien es auch nicht gegangen zu sein oder warum löste man den Vertrag auf, offiziell? Ich hätte da gern eine Aufklärung, von der Vereinsseite aus. Ich kann mir keinen Grund zurecht biegen, mit dem ich zufrieden wäre, schließlich bin ich auch nur ein dummer Mensch. Mir fällt aber auch gar nichts ein, womit man den Abgang van Bommels im Endeffekt erklären könnte. “Sportliche Gründe”? Unchlaublich, für wie naiv man gehalten wird.

Moment mal, heißt der Grund vielleicht auch Luis Gustavo? Ach, der wurd doch als Defensiv-Allrounder geholt! Ich und meine idiotischen Gedanken.

Micho sagt laut Servus!

Nichts ahnend kam ich nach Hause, nahm einen Happen zu mir und gesellte mich an meine Workstation. Unbekümmert wie eh und je surfte ich auf die Vereinshomepage des großen und allmächtigen FC Bayern. Eigentlich wollt ich mich erkundigen, ob es irgendwelche neuen Infos gibt, mit denen man vielleicht mal wieder Abseits der Spiele und Transferpolitik bloggen könnte.

Überraschend sah ich dort einen Offenen Brief. Einen Offenen Brief von Martin Demichelis. In diesem bedankt der Gaucho sich beim Verein, den Mitarbeitern aber auch bei den Fans, die ihn, ehrlicherweise, nicht immer ganz geliebt haben. Ich bin nach wie vor traurig, dass Micho uns verlassen hat. Den Gaucho mochte ich seit dem 1. Tag, als ich seinen Namen gelesen habe. Und ich weiß bis heute nicht, warum ich ihn von vorne herein gemocht habe. Seinen “Abschiedsbrief” find ich deshalb noch mal ein Quentchen toller.

Dieser Brief zeigt mir eindeutlich, wie sehr sich Micho bei uns wohlgefühlt hat. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sich jemand so von uns und dem Verein verabschiedet hat. Der vielleicht fazinierendste Absatz im Offenen Brief von Martin Demichelis:

Ich erinnere mich noch gut an die ersten Kontakte im Vorfeld meines Wechsels nach München. Wolfgang Dremmler schenkte mir damals ein Taschenwörterbuch Deutsch-Spanisch, das ich auf der Rückreise nach Argentinien anfing zu lesen – mit etwas Sorge, da ich damals kein Wort Deutsch verstand. Diese Geste war für mich von großer Bedeutung und ein erstes Zeichen der Annäherung mir gegenüber. Und es war der Versuch, ein grundsätzliches Hindernis für die unter Umständen benötigte Annäherung zu meistern. Mir war klar, dass die Schwierigkeit mit der Sprache meinerseits eine Schranke bildete, die wir durchbrechen mussten. Daher war dieses Geschenk so wichtig und ich habe es dermaßen geschätzt. Heute kann ich mit Stolz behaupten, dass Deutsch meine zweite Sprache ist.

Quelle: fcbayern.de – Abruf: 18.01.2011, 19:10 Uhr

Unfassbar! Was für eine kleine Geste ihm noch heute etwas bedeutet. Mich macht die Geste stolz auf den Verein.

Schade das Micho uns aus sportlicher Sicht hat verlassen (müssen). Für mich gehört er dennoch zu einem unserer großen Spieler, an die ich mich gerne zurück erinnere und das nicht erst seit diesem offenen Brief. Mach es gut Martin und man sieht sich immer wieder im Leben!