DFB Pokal: Mit Air Robben ins Viertelfinale

»Duselbayern« ertönte es, nach dem erzielten 2:1 Siegtreffer durch Arjen Robben in der Nachspielzeit der Partie. Es scheiden sich ja nach wie vor die Geister an diesem Begriff. Während ein Teil der Bayern Gefolgschaft den Begriff einfach nicht ausstehen kann und sich dadurch persönlich angegriffen fühlt, gibt es noch Leute wie mich, die diesen Begriff als Neid, als Anerkennung ansehen und sich dann ins Fäustchen lachen.

Es ist eine große Stärke von Spitzenteams, die Spiele regelmäßig kurz vor Ende zu kippen. Das ist eine Qualität, um die man beneidet werden kann und darf – wenn man nicht gerade der Gegner war, der diese Qualität zu spüren bekam.

Gewonnen wurde das Spiel, wie ich bereits anmerkte, in den letzten Atemzügen des Spieles. Nach dem man mal wieder in Rückstand geriet. Der VfL Bochum spielte gewiss defensiv. Aber im Vergleich zum Spiel am Freitag, als der 1. FC Köln den eigenen 16 Meterraum asphaltierte, war das Spiel vom VfL doch anders. Da suchte ein Team seine Chancen, sofern es natürlich möglich war. Das dieses Suchen nicht in fünfhundert Angriffsstürme endete, war natürlich auch klar. Zumindest besser als die Kölner präsentierte sich der 2. Ligist.

Unsere Larifarikeit im gesamten Spiel in den letzten Wochen geht mir gegen den Strich. Ich weiß nicht, warum wir es immer wieder versäumen, die Spiele ohne kleinere Berge zu entscheiden? Es ist Brüderchen Leichtsinn den wir Woche für Woche in den eigenen Reihen sehen. Gegen defensiv gut agierende Gegner fehlt die Leichtigkeit, mit der man sich eben mal 20, 30 % mehr als der Gegner bewegt. So entstehen natürlich keine Lücke und die Ideen sprudeln nicht gerade aus den Wasserfällen heraus.

Wenn dann Bruder Leichtsinn und Mütterchen Überschätzung sich auch noch vereinigen, fällt halt aus voller Überzeugung das 1:0 für den Gegner. Schlaffußball in der Abwehr war halt selten akzeptabel. Das die Abwehr nach den ersten guten Spielen nicht mehr funktioniert, ist auch ein ungeschriebenes Rätsel. Ein wenig glaube ich ja, dass man sich dieses Stück Mist selbst eingebrockt hat. Jerome Boateng und Rafinha müssen in letzter Zeit immer wieder andere Plätze einnehmen. Für Boateng sieht das dann nach Innenverteidigung, Außenverteidiger und Tribüne aus. Bei Rafinha bleibt die Bank und die Position als Außenverteidiger. Rotation mag ja schön und gut sein. Aber in der Abwehr? Halte ich für sehr fahrlässig und unangebracht.

Der fliegende Holländer

Arjen Robben besuchte unter der Woche wohl einen Schauspielkurs in den Bavaria Filmstudios. In der 41. Spielminute hob Air Robben ab. Schwalbe. Im Strafraum des Gegner. Schiedsrichter Weiner zeigte folgerichtig die gelbe Karte für den Holländer. Dabrowski hat ihn natürlich Bruchteile vorher getroffen, aber sich entscheiden erst weiter zu laufen und dann fallen zu lassen, ist albernes Gehabe.

Ein Spieler der in den letzten Tagen und Wochen so in der Kritik wegen seiner Art und Weise steht, macht es mit solch einer Aktion nicht besser.

Das war eine von zwei auffälligen Aktionen von Robben im gesamten Spiel. Er machte nämlich am Ende den 2:1 Siegtreffer. Ausgerechnet.

Ich will gar nicht so viel auf Robben hacken. Doch ihm fehlt nach wie vor die Bindung ins Team. Mit Boateng als RV mehr als mit Rafinha. Seine fehlende Bindung ins Team muss er sich aber auch ein wenig selber ankreiden. Seine Körpersprache ist in den letzten Wochen für die Kloschüssel-Pressvorrichtung. Bei Pässen die ihn nicht erreichen, ist gleich der Passgeber verantwortlich. Ich habe Robben sich noch nie entschuldigen gesehen in dieser Saison, dass er dem Ball nicht weit genug entgegen gegangen ist. Das ist eine von vielen Kleinigkeiten, die einem während eines Spieles bei Robben auffallen, aber es summiert sich. Von der Summe abgesehen, bekommt das natürlich auch jeder Mitspieler mit.

Er hat nun die Winterpause um sich selbst mehr ins Team einzubringen. Das kann ihm und dem Team helfen. Ansonsten müsste man sich, ungern, überlegen, ob es überhaupt noch Sinn macht, langfristig mit Robben zu planen.

Ich muss zugeben, dass das nicht die feine bayrische Art ist, die ich hier an den Tag lege, aber es gibt Zeichen die muss man deuten und werten. Mir gefiel die Kombination mit Müller auf dem rechten Flügel einfach deutlich eindrucksvoller als mit Robben. Wie gesagt, er hat jetzt die Winterpause und dann wird man in der Rückrunde sehen, was passieren wird.

Ein kleines (Extra-)Lob möchte ich übrigens an Toni Kroos, Franck Ribéry und Mario Gomez los werden. Klasse gespielt und vor allem die Kombination zwischen »Kromez« beim 1:1 war sagenhaft.

DFB Pokal: Titel oder Niederlage

Heute Abend, 19 Uhr, steht unser 3. Runden Pokalspiel gegen den VfL Bochum auf dem Programm. Fanfreundschaft hin oder her. Heute zählt bekanntlich nur ein Sieg für uns.

Als Herbstmeister der 1. Fußball-Bundesliga, mit der besten rekordträchtigen Tordifferenz zu diesem Zeitpunkt, muss man sich nichts vor machen. Eine Niederlage wäre schrecklich. Vor allem. Wir wollen nach Berlin. Da kann die Endstation schon mal nicht Bochum heißen.

Ich habe mal kurz auf die letzten 5 Spiele gegen den VfL geschmissen. Riecht ziemlich nach einigen Törchen die heute fallen: 3:1, 5:1, 3:0, 3:3, 3:1 (Ergebnisse aus Sicht des FC Bayern; also ohne Rücksicht auf Heim/Auswärts steht Bayern immer vorne).

Im DFB Pokal konnte uns der VfL Bochum bisher einmal ärgern. 1967/68 im Halbfinale unterlagen wir in Bochum mit 2:1. Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Franz Roth oder auch Gerd Müller konnten damals nicht für den Sieg sorgen. Danach stehen nur noch 2 weitere Duelle gegen den VfL Bochum auf dem Plan. 1981/82 gewannen wir mit 2:1 in Bochum, ebenfalls ein Halbfinalspiel. Und im Achtelfinale der Saison 1985/86 trennte man sich 1:1 nach Verlängerung. Also in einer noch Elfmeterschießen freien Zeit. Das resultierte dann in ein Rückspiel und dem ersten DFB Pokal Heimspiel gegen die Bochumer. Das Rückspiel gewannen wir 2:0.

Kleiner Randomfact: Die zweimal als wir den VfL Bochum geschlagen haben, wurden wir anschließend auch Pokalsieger. Gutes Omen.

So richtig weiß ich nicht, was ich über Bochum los werden soll. Trainer Andreas Bergmann hat den VfL zur Winterpause auf Position 9 gebracht. Das ist in der 2. Bundesliga das Mittelfeld, wo nach oben aber auch nach unten eigentlich keine tiefen Fahrwasser aktuell existieren. 10 Punkte Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz, 15 Rückstand auf den Aufstieg-Relegationsplatz. Nennt sich dann wohl eindeutig gesundes Fahrwasser.

Vermutlich wird man das heutige Spiel als so etwas wie »Spiel des Jahres« ansehen. Wenn man sich nicht, wie der FC Ingolstadt, abschlachten lässt, kann man eigentlich nichts verlieren – nur gewinnen. Daher werden die ersten 10, 20 Minuten wichtig sein. Erzielen wir früh ein Tor, könnte es ein einfacher Pokalfight für uns werden. Packt Bochum die Abwehrkeule aus und uns fällt mal wieder nichts grundlegendes ein, könnte das ein langer Abend werden. Im Pokal ist der Gegner in der Regel ja doppelt motiviert.

Mein Tipp: Ein 4:0 Sieg. Bin optimistisch.