Was macht eigentlich…!?

Es gibt Sportler die ihre sportliche Laufbahn viel zu früh ad acta legen durften. Darunter fällt, leider, auch Sebastian Deisler. Bereits mit 27 Jahren beendete Sebastian Deisler im Januar 2007 seine aktive Karriere als Profisportler.

Er war der begnadetste Fußballer, den ich je hatte“, schwärmte Jürgen Röber von Deisler. Röber trainierte Deisler 3 Jahre bei der Berliner Hertha. Mit 19 Jahren wechselte Deisler nach gerade mal 17 Bundesliga-Einsätzen vom damaligen Absteiger Borussia Mönchengladbach zu Hertha BSC. Fans, Medien und Experten sahen in Deisler das große Jahrhunderttalent für die nächsten Jahre, der die Wende in den deutschen Fußball bringen sollte.

Für Dieter Hoeneß war es damals ein Megatransfer. Er hatte seinem Bruder Uli Hoeneß das Jahrhunderttalent vor der Nase weggegriffen und in Berlin feierten sie den Jungen Deisler. Doch nach 3 Jahren wechselte Deisler zum FC Bayern und bereinigte somit das Bruderduell Uli gegen Dieter Hoeneß.

Im Sommer 2002 wechselte Deisler also nach München. Den Wechsel hatte »Basti Fantasti« bereits ein Jahr vorher an Dieter Hoeneß kundgetan. Verein und Spieler einigten sich damals auf Geheimhaltung. Doch als die Sportbild einen Handgeld-Scheck des FC Bayern für Deisler druckte, waren die Berliner Fans wütend und sahen in Deisler den Verräter der Nation.

Der gebürtige Lörracher wurde in seinem 56. und somit letztem Spiel für die Berliner mit einem Pfeifkonzert verabschiedet. Die offizielle Verabschiedung im weiten Olympiastadion wurde deshalb auch unkonventionell. Es gab eine Stadiondurchsage und einige Bilder auf der Leinwand. Deisler selbst wurde auf dem Rasen selbst nicht verabschiedet.

Doch das Deisler bereits damals bereits an Depressionen litt, ahnte keiner. Dazu kam der Wechsel vom eher ruhigen Berlin ins Medienspektakel München. Ein Widerspruch in Deislers viel zu kurzer Laufbahn.

Deislers Pflichtspieldebüt für den FC Bayern sollte allerdings auf sich warten lassen. Erst im Februar 2003 konnte Deisler das erste Mal aktiv für den FC Bayern werden. Im Viertelfinale des DFB Pokals kam Deisler für eine Viertelstunde gegen den 1. FC Köln ins Spiel und bereitete durch einen Eckstoß das 8:0 von Willy Sagnol in der 88. Spielminute vor. Die ersten Monate der Saison musste »Basti Fantasti« wegen einer Knieverletzung die er sich im Mai 2002 in einem Länderspiel gegen Österreich zu zog pausieren. Deisler kam in seiner ersten Saison auf gerademal 8 Bundesliga-Spiele und 2 Einsätze im DFB Pokal.

Die nächste Spielzeit startete gut für den Nationalspieler. Dann kam allerdings bereits nach dem 4. Spieltag bereits die erste kleine Verletzung, doch Deisler hob den Kopf und kam am 8. Spieltag – ausgerechnet gegen Hertha BSC – zurück aufs Feld für den FC Bayern. Mit guten Leistungen schien Deisler den Durchbruch beim FC Bayern endlich zu schaffen.

Doch Mitte November 2003 kam dann der herbe Rückschlag. Deisler gab sich in Behandlung im Max-Planck-Institut. Deisler sollte erst die beiden letzten Saisonspiele wieder für die Münchner auflaufen. In der darauffolgenden Saison lief es etwas besser für Deisler. Doch auch diese Saison war von seinen Depressionen nicht unberührt geblieben. Im Oktober zum Champions League Spiel gegen Juventus Turin stand Deisler eigentlich im Kader. Doch er machte sich frühzeitig auf den Heimweg und begab sich erneut in Behandlung. Nach einigen Wochen stand Deisler aber glücklicherweise wieder auf dem Feld. Immerhin sollte er auf satte 23 Bundesligaspiele in dieser Spielzeit kommen.

Es folgten noch anderthalb Jahre beim FC Bayern in denen Deisler immer wieder von kleinen und schweren Verletzungen zurück geworfen worden ist. Am 16. Januar 2007 berief der FC Bayern dann eine kurzfristige Pressekonferenz ein. Uli Hoeneß und Sebastian Deisler betraten den Medienraum. Beide sahen sehr unglücklich aus und man ahnte bereits böses. Deisler und Hoeneß gaben das Karriereende vom gebeutelten und geplagten Jahrhunderttalent bekannt.

Das letzte Mal in der Öffentlichkeit stand Deisler im Jahre 2009, als Michael Rosentritts Buch »Sebastian Deisler: Zurück ins Leben« erschien. In Zusammenarbeit mit dem Kicker wurde noch einmal seine Geschichte, ein wenig, aufgearbeitet.

Ich weiß, dass ich damals hätte aufhören müssen. Ich wollte nicht mehr. Ich konnte nicht mehr. Ich habe hinter heruntergelassenen Jalousien gelebt“, sprach Deisler im Rahmen der Veröffentlich des Buches. Die vielleicht traurigsten Worte einer eh schon traurigen Leidensgeschichte.

Er wollte nach dem Karriereende Physiotherapeut werden. Ob das gelungen ist, wurde leider nie übermittelt. Heute soll Deisler zurückgezogen im beschaulichen Freiburg leben.

Es gibt Fußballspieler die werden vergessen und jene die du nicht vergessen kannst. Deisler gehört ein wenig in beide Kategorien, so still wie es um Deisler ist. Ich selbst werde Deisler nie vergessen. Nicht nur wegen seiner Leidensgeschichte sondern auch wegen seiner fußballerischen Klasse.

Dennis

Chefsesselakrobat und begeisteter Blogger wie auch Sport- und vor allem Serienfanatiker. Baujahr Mitte 1989.